Markus Kircher, Schnitt

Sein Ansatzpunkt war die Technik: Markus Kircher, Jahrgang 1985, der an der Wiener Filmakademie studiert. Nach dem Bachelor setzt er mit dem Fach "Compositing" fort. Sein jüngstes Projekt "The Road Home" von Rahul Gandotra zählt nun zu den Finalisten für den "Studenten-Oscar".

"Bis zum Matura-Jahr war ich sicher, ich gehe nach Graz und studiere etwas Technisches. Ich hatte damals in Brixen noch einen Video-Workshop besucht. Plötzlich begann mich der Film-Schnitt sehr zu interessieren. So habe ich mich dann umgesehen, wo ich dieses Fach studieren könnte und stieß auf die Filmakademie.

Ich hatte mir das aber einfacher vorgestellt, als es dann war. Denn ich sollte zur Aufnahmeprüfung in vier Tagen verschiedene Arbeiten abgeben. So habe ich zunächst mit Kultur- und Sozialanthropologie, sowie Theater-, Film- und Medienwissenschaft an der Universität Wien begonnen. Und besuchte zunächst als außerordentlicher Hörer die Filmakademie", berichtet Markus Kircher, gebürtiger Südtiroler aus Brixen, Jahrgang 1985, über seine Anfänge.

Seit 2005 studiert er an der Wiener Filmakademie und hat im Oktober 2009 im Bereich Schnitt bereits seinen Bachelor mit Auszeichnung gemacht.

Master-Studium "Compositing - Digital Arts"

Seit Herbst dieses Jahres setzt er nun mit dem neuen Master-Studienlehrgang "Compositing - Digital Arts" fort:

"Unter Compositing versteht man von kleinen bis zu großen Retuschen - also zum Beispiel das wegretuschieren von einer Tonangel, die ins Bild ragt. Oder zum Beispiel, was aus 'Making ofs' bekannt ist, dass man eine Handlungsebene eine Handlungsebene mit Darstellern hat und mit Blue Box ein Hintergrund eingesetzt wird. Es geht um die Kombination von filmischen und künstlichen Ebenen", erläutert Kircher.

Bachelor-Arbeit "Wie man in Filmen Tische erzählt"

Für seine schriftliche Bachelor-Arbeit hat der Nachwuchs-Cutter das Thema "Wie man in Filmen Tische erzählt" gewählt:

"Der Minimalanspruch an eine Filmszene ist, dass sich der Zuschauer auskennt: wo bin ich, wer sitzt wo, wer agiert mit wem? In dem Moment, wo die Kamera eine Zufahrt macht, muss man genaue Regeln beachten, damit das filmische Konstrukt stimmt. Ich habe nun aus Filmen, die ich in letzter Zeit gesehen habe, Tisch-Situationen mit zwei, drei und vier Menschen herausgesucht, sie verglichen und das Charakteristische daran festgehalten. Wann, wie nahe, aus welcher Höhe dreht man eine bestimmte Tisch-Situation? Solche Szenen zu schneiden, ist sehr schwierig - es ist sozusagen eine Königsdisziplin.

Vielfältige Film-Erfahrungen

Seit 2004 konnte Kircher, dessen Interesse vor allem dem Spielfilm gilt, bei über 30 Produktionen bereits umfangreiche Erfahrungen in den Bereichen Schnitt, Kamera-Assistenz, Kamera, Regie sowie Compositing sammeln.

"The Road Home" für "Studenten-Oscar" nominiert

Zu einem der wichtigsten Projekte Markus Kirchers zählt der 30-minütige Kurz-Spielfilm "The Road Home" des indischen Regisseurs Rahul Gandotra, der nun jüngst für den "Studenten-Oscar" der "Academy of Motion Picture Arts and Sciences" in Kalifornien nominiert wurde.

Der Film entstand in ungewöhnlicher Weise, wie Kircher erzählt:"Ich habe teilweise in Südtirol und in Wien am Schnitt gearbeitet, der Regisseur war in New Jersey und London. Wir haben uns dann jeweils via Skype getroffen und anhand einer Demo-Version eines Programms den Schnitt in Echtzeit angesehen."

Dieses Projekt, bei dem er als Kamera-Assistent und Cutter tätig war, hatte sich durch den Kameramann, der Regisseur Rahul Gandotra kannte, ergeben.

Uraufführung in London

"Der Film ist teilweise sehr autobiografisch. Gandotra ist in verschiedenen Teilen der Welt groß geworden. Die Geschichte spiegelt viele seiner Erfahrungen wieder. In dem Film geht es um einen farbigen Buben, der sich aber als Brite fühlt. Eines Tages packt er seine Sachen, läuft davon und versucht von Nord-Indien über New Delhi nach Hause zu kommen", so Kircher über den Kurzspielfilm, der in London uraufgeführt wurde.

Weigels "Marie - Eine Chronik der Angst"

Eine weitere wichtige Arbeit Kirchers ist Bernadette Weigels Kurz-Spielfilm "Marie - Eine Chronik der Angst", der Anfang Oktober 2009 im Wiener Top-Kino uraufgeführt wurde:

"In diesem Film durchläuft die Hauptfigur verschiedene Ängste in verschiedenen Altersstufen, bis sie sich mit sich versöhnt. Es ging darum, die Gefühlswelt der Protagonistin zu zeigen. Es war eine sehr wichtige Arbeit für mich", so Kircher, der stark vom Technischen herkommt, über diese Produktion, die nun bei Festivals zu sehen sein wird.

Musik-Video für "Figure and Frame"

Derzeit arbeitet Kircher an einem Musik-Video für die Gruppe "Figure and Frame", bei dem sein Akademie-Kollege Karl Brettschneider Regie geführt hat:

"In diesem Musik-Video geht es um eine Marionette, die sich von ihren Fäden löst und aus dem Kinderzimmer eines Mädchens fliehen will, weil die Kleine ganz furchtbar mit ihren Spielsachen umgeht. Meine Arbeit dabei ist, der Puppe das Gesicht des Gitarristen zu geben und die Playmobil-Figuren zum Leben zu erwecken", berichtet Kircher über sein jüngstes Projekt.

Spannende Geschichten erzählen

Welche Zukunfts-Wünsche hat der ambitionierte Nachwuchs-Cutter?

"Ich wünsche mir, dass ich in Filmen eine Geschichte erzählen darf, die mich selber beschäftigt, bei der ich mitfühlen kann und hinter der ich stehe", so Markus Kircher.

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Academy of Motion Picure Arts and Sciences - Foreign Finalists Selected for 2010 Student Academy Awards
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The Road Home