Feuer und Eis

Aus Feuer und Eis ist Island erstanden. Unter den größten Gletschern Europas brodelt die Lava, die die unvergleichliche Landschaft Islands geschaffen hat. Eine Ö1 Studienreise führt in das Land der Gletscher und Geysire.

Als die Wikinger 874 nach Island kamen, sahen sie in einer Bucht Dampf aufsteigen und nannten den Ort "Reykjavik" – "Rauchbucht". Die Rauchbucht im Südwesten der Insel ist für jeden Islandreisenden die erste Anlaufstelle und zeigt gleich eindrücklich, welche Kontraste dieser nördliche Außenposten Europas zu bieten hat: Heißer Dampf dringt vielerorts aus dem vulkanischem Untergrund, vierspurige Autobahnen führen vom Flughafen zum Zentrum.

Von unsichtbaren Wesen bevölkert

Man hat das Gefühl, in einer Metropole gelandet zu sein und nicht in einer gerade mal 180.000 Einwohner zählenden Stadt. Das mag vielleicht daran liegen, dass die Insel ja immer noch - und daran glauben etwa 54 Prozent der Isländer - von Elfen, Trollen und anderen unsichtbaren Wesen bevölkert sein soll.

Der Historiker Magnus Skarphédinsson hat 1994 eine Elfenschule eingerichtet, in der auch Touristen mehr über diese Wesen einer anderen Wahrnehmungsebene erfahren können - inmitten von Reykjavik, das in vielerlei Hinsicht als eine der modernsten Städte Europas gilt, mit den hippsten Lokalen, höchstentwickelter Computertechnik und massivster wirtschaftlicher Potenz.

90 Prozent Wildnis

Island gilt für viele auch als die letzte große Wildnis Europas: einsame Hochtäler, bizarre Vulkanberge, riesige Gletschergebiete, Wasserfälle, heiße Quellen und Geysire sind die vielen Zeugnisse einer großteils noch intakten, von Menschenhand unberührten Natur. 90 Prozent der Landesfläche gelten als Wildnis. Bloß 1 Prozent wird landwirtschaftlich genutzt. Drei Einwohner pro Quadratkilometer zählt Island - zum Vergleich: In Deutschland sind es 250.

Und noch einen bemerkenswerten Umstand hat diese Insel im Nordatlantik zu bieten: Island war bis zum Ersten Weltkrieg das ärmste Land Europas, heute ist es eines der reichsten Länder der Welt und hat sich zur einer Wirtschaftsmacht entwickelt.

Ringstraße um die Insel
Die Hringvegur, eine Ringstraße mit einer Länge von 1.400 Kilometern umgibt Island. Sie ist weitgehend gut ausgebaut und wurde 1974 auch im Süden fertig gestellt. Auf dieser großteils asphaltierten Autobahn mit zwei Spuren kommt man gut voran. Manchmal schlägt sie einen unvermuteten Haken in der unberührten, moosbewachsenen Lavaebene. Wahrscheinlich ist einer der schwarzen Basaltbrocken am Straßenrand ein Elfenstein, den man sicherheitshalber umgangen hat.

Manchmal führt die Straße direkt an der Küste entlang, zumeist aber spart sie die Halbinseln und Fjorde aus und verläuft etwas weiter im Landesinneren. Man sieht vom Gletscher verformte Täler, Endmoränen, viel schwarzes vom Frost aufgesprengtes Lavagestein.

Grün zwischen Schwarz und Dunkelgrau
Im Sommer ist das zarte, hellgrüne Gras ein schöner Kontrast zu dem vielen Schwarz und Dunkelgrau. Lange Zeit fährt man allein durch menschenleere Landschaften, hin und wieder sieht man eine Herde Islandpferde, Schafe, jede Menge Wasserfälle, riesige Wolkentürme, plötzlich strahlender Sonnenschein. Zuweilen raucht und dampft es, wenn man eines der Geothermalfelder Islands passiert.

Nach sechs bis sieben Stunden etwa ist die zweitgrößte Stadt Islands erreicht: Ákureyri, an einem schönen Fjord im Norden gelegen.

Ákureyri ist für ihre Kunstsinnigkeit bekannt und als Geburtsstadt des isländischen Kinderbuch-Autoren, Weltenbummlers und Missionars Jon Sveinsson, genannt Nonni.

Der größte Gletscher Europas
Im Südosten der Insel dominiert der Vatnajökull, der sogenannte "Wassergletscher", das Geschehen. Er ist beinahe so groß wie ganz Korsika und damit der größte Gletscher Europas. Befragungen zufolge kommen die meisten Touristen nach Island, um diese Eisfläche, unter der ein Vulkan immer wieder aktiv wird, zu sehen.

Im Süden des Vatnajoküll hat sich zwischen dem Meer und den Eismassen ein Gletschersee gebildet, der Jökulsárlon, der auch eine Lagune ist, in welcher sich durchaus auch Robben und Seehunde tummeln können. Als Einstieg in diese Welt aus Eis, Wasser und Feuer empfiehlt sich das Gletschermuseum von Höfn. Hier kann man einiges über den Alltag am Rande des Gletschers und über die Bewältigung möglicher Gefahren erkunden.

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