Jürgenssen-Preis an Nathalie Koger

An der Akademie der Bildenden Künste in Wien wird der Birgit-Jürgenssen-Preis 2010 verliehen. Die mit 2.000 Euro dotierte Auszeichnung geht seit 2004 jährlich an einen Studenten oder eine Studentin der Akademie - heuer an die 32-jährige Nathalie Koger.

Kulturjournal, 19.04.2010

"Als Schöpferin, Fotografin, Medien- und Installationskünstlerin" bewege sich Koger "trittsicher in, mit und zwischen den Medien und Disziplinen", heißt es in der Jurybegründung.

Damit hat die junge Künstlerin viel gemeinsam mit der vor sieben Jahren verstorbenen Künstlerin Birgit Jürgenssen, die als Lehrende und Mitglied diverser akademischer Gremien die Entwicklung der Akademie entscheidend mitbestimmt hat.

Am Montag, 19. April 2010 um 19:00 Uhr wird der Birgit-Jürgenssen-Preis an Nathalie Koger im Atelierhaus der Akademie der Bildenden Künste in der Wiener Lehargasse verliehen.

Kunststar im Nebel

Natalie Koger arbeitet spielerisch: Sie lässt etwa den international anerkannten Künstler Olafur Eliasson in einem nordischen Nebel verschwinden. Indem sie den Spruch "Say Goodbeye to Olafur Eliasson" auf eine in milchiger Unschärfe verschwimmende fotografierte Landschaft druckt. Sie freut sich, dass jeder, der die Arbeit sieht, den Satz nachspricht und Olafur Eliasson damit in die Verbannung geschickt wird.

Es ginge auch darum, einen Kontrapunkt zu Eliasson zu formulieren. Denn Olafur Eliasson ist eine Nadel in ihrem Gehirn, wie sie sagt. Die junge Künstlerin kritisiert, dass er sich mit seinem Grenzgang zwischen Kunst und Wissenschaft anmaßt, die Natur nachzubilden. Wie etwa 2006, als er ein Millionenpublikum in die Tate Modern in London lockte, weil er einen glutroten Sonnenuntergang lebensnah nachgebildet hatte.

Natur toppt Kunst
Dieser Tage freut sich Natalie Koger auch, dass die vulkanische Wolke aus Island etwas ist, das Olafur Eliasson sicher nicht nachbauen kann, auch wenn er in seinem Atelier 40 Wissenschaftler beschäftigt. Das heißt die Natur toppt die Kunst in diesem Bereich allemal.

In einer anderen Fotoarbeit denkt Natalie Koger wieder über die Landschaftsmalerei nach: Sie nimmt in einem rustikalen Gasthof einfach einen dieser typischen kitschigen Landschaftsdrucke von der Wand und bringt ihren eigenen Namen unter dem Fleck an, der an der Wand übrig bleibt.

Es war ein performativer Akt, mit dem Natalie Koger, die übrigens während des Studiums auch Erfahrungen im Bereich des Tanzes und der Dramaturgie gemacht hat, hier die Bedeutung des Auf- und Abhängens von Bildern reflektiert hat. Der Vorgang wurde übrigens von den Einheimischen in dem Dorfgasthaus mit großem Interesse und Begeisterung begleitet. "Ich eigen mir die sehr männlich dominierte Landschaftsmalerei an", so Koger.

Natalie Koger ist eine sehr konzeptuell denkende Künstlerin, von der sicher noch einiges zu erwarten ist. Ab Dienstag, 20. April 2010 sind die Arbeiten der neuen Birgit-Jürgenssen-Preisträgerin für drei Tage im Atelierhaus im Semperdepot ausgestellt.