Besser als jede Medizin!

Am 1. Dezember feiert der amerikanische Komiker Woody Allen seinen 75. Geburtstag. Kein Zufall also, dass sein neuester Film "Ich sehe den Mann deiner Träume" Ende dieser Woche in die österreichischen Kinos kommt.

Kulturjournal, 29.11.2010

Interview mit Woody Allen

Wie immer verstrickt Woody Allen seine Figuren in kleinere und größere Tragödien des Lebens und kann dabei auf eine Starbesetzung zurückgreifen, unter anderem auf Anthony Hopkins, Antonio Banderas und Naomi Watts.

Helena wird von ihrem Mann Alfie (Anthony Hopkins), der jenseits der 70 ist, verlassen, weil er sich eine für eine jüngere berufen fühlt, die wiederum fühlt sich vor allem für sein Bankkonto berufen, jedenfalls muss die Helena ihr Liebesleid los werden und tut dies bei einer Wahrsagerin.

War Woody Allen bisher vor allem den Psychoanalytikern zugetan, so probiert er diesmal esoterischen Schwindel als neueste Therapieform aus, mit verblüffender Erkenntnis: eine Illusion ist manchmal besser als jede Medizin. Er selbst glaube ja keinesfalls an Wahrsagerei, meint Woody Allen, vielmehr sei das "Humbug und Scharlatanierie".

Mittagsjournal, 29.11.2010

Obsessive Neugierde

Wieder einmal setzt der Allen ein Figurenkarussell in Gang, schickt seine Protagonisten auf emotionale Höhenflüge und im nächsten Moment ins Tal der Tränen, stets getrieben von der obsessiven Neugierde auf neues zwischenmenschliches Terrain, vor allem weibliches.

Auf der Suche nach Wahrhaftigkeit menschlicher Beziehungen erweist Woody Allen sich als Kenner delikater Kommunikation: wie redet man etwa in Sachen Liebe am besten um den heißen Brei herum, und wie lässt man sich eine Hintertür offen, mit der man diese Zuneigung, falls sie nicht erwidert wird, sowieso sofort wieder leugnen kann.

Stolpersteine des Lebens

Die Sehnsucht nach Familiengründung, die Tücken von Viagra, Lügen bei der Suche nach künstlerischem Erfolg, sexuelles Begehren mit absurden Auswüchsen. Wenn Woody Allen Stolpersteine des Lebens abarbeitet greift er einmal mehr auf verlässliche Inspirationsquellen wie die griechische Tragödie und Shakespeare zurück und so ist eine Illusion vielleicht manchmal besser als jede Medizin, manchmal führt sich aber auch direkt ins Verderben.