Von der Flüchtigkeit der Flughörnchen

Estland ist ein weites Land. Der Blick schweift ungehindert bis zum Horizont. Einsamkeit ist in Estland angesagt. Die weiten Waldgebiete, wo sich der Nutzwald allmählich wieder in einen Urwald verwandelt, haben es Naturbeobachtern besonders angetan.

Elche, Bären, Marderhunde und Wölfe, ihnen allen heften sich Reisende im Norden des Baltikums auf die Spuren. Besonders faszinierend sind die Flughörnchen, die blitzschnell durch Zitterpappelwälder huschen und kaum von einem Menschen je erblickt werden, obwohl sie in manchen estnischen Wäldern zahlreich vorkommen.

Gut getarntes Fell

Zwanzig Zentimeter lang werden die Flughörnchen und an die hundert Meter weit können die durch ihr graues Fell gut getarnten Tierchen durch die Luft gleiten. Toomas Rull ist einer, der die Flughörnchen zu fassen versucht. Auf dem Weg von Tudu nach Udriku liegt der Ort Peressaare, wo der Flughörnchen-Experte geboren wurde.

Die Gegend von Peressaare wirkt heruntergekommen, ein Großteil der Häuser hat keine Fenster mehr und ist offensichtlich unbewohnt. Nach dem Zweiten Weltkrieg leisteten viele Esten Widerstand gegen das sowjetische Regime. Diese Leute lebten zum Teil im Wald von Peressaare und wurden von den Bewohnern der Bauernhöfe und Häuser der Umgebung mit Essen versorgt. Wer von den russischen Machthabern gefunden wurde, wurde deportiert. Heute sind in dem ganzen weit verstreuten Dorf nur mehr vier Höfe besiedelt.

Nicht in die Augen schauen!

Die Wälder sind teilweise privatisiert, ihre Besitzer leben in Tallinn oder Tartu. Peressare gibt ein trauriges Bild ab. Im Winter versinkt das sterbende Dorf in Schneemassen, erzählt Toomas Rull, der selbst nur mehr für einen Zweck in die Wälder von Peressare kommt: zum Aufspüren der Flughörnchen: "Wie erkennen wir, dass hier überhaupt Flughörnchen leben? Die Tiere sind nachtaktiv, wir sind tagaktiv; wenn wir schlafen kommen die Flughörnchen."

Freudestrahlend hält Toomas Rull einen unfehlbaren Flughörnchen-Indikator in die Höhe: ein schreiend gelbes Kinder-Überraschungsei aus Plastik. "Das Überraschungsei", erklärt der Este, "ist ein zehn Mal größeres Modell für den Flughörnchen-Kot." Während in Finnland der Flughörnchen-Kot unter Kiefern gefunden wird, findet man ihn in Estland unter den Zitterpappeln, informiert der Flughörnchen-Insider und er warnt: "Wenn wir jetzt die Flughörnchen anschauen gehen, bitte Vorsicht! Schauen Sie ihnen nicht in die Augen! Bei mir hat es so angefangen: Ich habe den Flughörnchen in die Augen geschaut und jetzt komme ich in jeder freien Minute zu den Flughörnchen."

Schnell wie der Wind

An einigen Flughörnchen im Wald von Peressaare hat Toomas Rull Sender befestigt. Mit dem Empfänger in der Hand zeigt er auf den Baum mit dem hölzernen Nistkasten, in dem zwei Flughörnchen-Sender vor sich hin ticken. Die Flughörnchen sind ruhig in ihrer Behausung, denn der Signalton klopft leise und gleichmäßig. Im Zwielicht, das sich allmählich über den Wald gelegt hat, wartet die Gruppe zusammengekauert vor der vierzig Meter hohen Zitterpappel und starrt gebannt auf das Flughörnchen-Nest. Plötzlich wird das Signal aus dem Nest stärker und höher, die beiden Flughörnchen rasen aus dem Kasten, flitzen den Baum hinauf und verschwinden im Wald. Nur einer Naturbeobachterin gelingt es, einen Blick auf die flüchtigen Flughörnchen zu erhaschen.

Service

An dieser Ö1 Aktivreise werden speziell Naturliebhaber/innen ihre Freude haben. Die endlosen Regenmoore und taigaartigen Wälder Estlands sind Heimat von Elch, Wolf, Luchs, Braunbär und Flughörnchen.

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Reisetermine: 18.- 25. August 2012, 1. - 8. September 2012, 29. September - 6. Oktober 2012

Pauschalpreis pro Person: im DZ: EUR 1.746,-, Ö1 Club-Preis: EUR 1.658,-, EZ-Zuschlag: EUR 220,-

Nationalpart Tours - Ö1 Aktivreise Estland

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