Wachowskis und Tykwers "Cloud Atlas"

Von Lobeshymnen bis zu harscher Kritik reichten die Reaktionen, als der Film "Cloud Atlas" vor drei Wochen in den USA in den Kinos startete. Die Verfilmung des gleichnamigen Romans von David Michtchell aus dem jahr 2004 war von Anfang an ein Risiko. Doch die Geschwister Wachowski - bekannt durch ihre Matrix-Trilogie und der deutsche Regisseur Tom Tykwer haben sich davon nicht abschrecken lassen.

Ein Kniff dieser Verfilmung: Stars wie Tom Hanks, Susan Sarandon, Halle Berry oder Hugh Grant sind gleich in mehreren Rollen zu sehen.

Morgenjournal, 13.11.2012

Sechs Schicksale in rund 500 Jahren Menschheitsgeschichte, dabei völlig unterschiedliche Filmgenres bedienen und eine Vielzahl an Figuren so herumjonglieren, dass man die einen nicht überbewertet und die anderen nicht aus den Augen verliert. Es ist schon ein gewagtes Unternehmen, David Mitchells Roman "Cloud Atlas" auf die Leinwand zu bringen, ein Roman, der einen Notar (Tom Hanks) im Jahr 1850 mit der Sklaverei konfrontiert, der die Magie der Musik im Jahr 1936 abfeiert, schließlich eine Journalistin (Halle Berry) im Jahr 1973 zur Aufdeckung einer Atom-Intrige abkommandiert und einen Verleger (Jim Broadbent) im Jahr 2012 in eine ziemlich brenzlige Lage bringt.

Unterdrückung und Widerstand

Und die Zukunft? Sie ist düster, im Korea des 22 Jahrhunderts herrscht eine Konsumdiktatur, 200 Jahre später die Post-Apokalypse. Das Kinopublikum muss sich nicht nur durch das Dickicht der Zeiten kämpfen, sondern vor allem die verbindenden Momente herausfiltern: nicht weniger als eine Bestandaufnahme der menschlichen Natur wird hier vorgenommen, im Guten wie im Schlechten, im Spannungsfeld von Macht und Liebe, von Herren und Sklaven, von Unterdrückung und Widerstand, von der Weiterentwicklung bis zum schleichenden Verlust zivilisatorischer Fähigkeiten.

Zuckerbrot und Peitsche

Die erste von fast drei Stunden Kino fühlt sich an wie eine Rutschpartie in die Willkürlichkeit. Die Erzählung springt oft nur für wenige Sekunden zwischen den Jahrhunderten hin und her. Doch hat man diese Vortrags-Struktur einmal verinnerlicht, verdichten sich die Leitmotive. Zuerst die Peitsche und dann das Zuckerbrot also, oder wie es Ko-Regisseur Tom Tykwer formuliert, "verrückt, experimentell und trotzdem populär."

Mehrwert durch Verschränkung

Jede dieser Episoden könnte einen eigenen Film abgeben, vom Abenteuer-Kostümdrama bis zum Polit-Thriller, von der Tragikomödie bis zum Science-Fiction-Szenario. Und: jede der sechs Geschichten für sich gesehen offenbart sich als konventionelle Genreware, die allerdings durch die komplexe Verschränkung durchaus einen Mehrwert bekommt. Dennoch: Wie immer, wenn man von allem erzählen will, droht die Gefahr, dass man letztlich doch nichts zu sagen hat.

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