Bilderbuch

"Österreicher machen bessere Popmusik als Deutsche". Wer die renommierte "Süddeutsche Zeitung" zu solchen Aussagen hinreißt, kann kein schlechter sein. Bilderbuch heißt die Band, die das geschafft hat und seit Monaten sowohl in Österreich, wie auch in Deutschland und in der Schweiz die Kritiker begeistert.

Zehn Jahre gibt es die Band bereits. Doch erst die 2013 erschienene EP "Feinste Seide" mit den Songs "Maschin" und "Plansch" katapultierte die vier Oberösterreicher in die Rolle der neuen Hoffnungsträger. Bei den diesjährigen Amadeus Austrian Music Awards sind Bilderbuch vier Mal nominiert, mehr als jeder andere Künstler.

Kulturjournal, 07.03.2014

Die Gruppe "Bilderbuch"

(c) Baldinger, ORF

Entspannt und in Tigerpatschen sitzt Bilderbuch-Sänger Maurice Ernst im Haus seines Opas im oberösterreichischen Kremstal. Draußen scheint die Sonne und der Tischtennistisch im Garten ist längst ein Fixpunkt des täglichen Bandprogrammes. Zwei Wochen hat sich die Band hier einquartiert. Michael Krammer, Philipp Scheibl und Peter Horazdovsky lungern auf der Couch. Vor ihnen ein kleiner Tisch mit Laptop obendrauf.

Vier Mal ist die Band für den Amadeus Award nominiert. Interviewanfragen treffen im Stakkato ein, für Auftritte zur Prime-Time im deutschen Privatfernsehen werden sie nach Berlin eingeflogen. Aus der schüchternen Schülerband wurde in kürzester Zeit eine Gruppe, die sich mit Lust an der großen Geste und dosierter Coolness daran macht, der deutschen Popmusik einen ordentlichen Schub an Hipness zu verpassen.

Das Arbeitszimmer liegt im zweiten Stock. Ein schlichter Raum mit Gitarren, Computern und Sampling-Pads. Ein knallroter Band-Koffer liegt in der Ecke. Maurice Ernst klickt sich durch die Dateien seines Computers. Sechs Songs sind in den vergangenen Tagen entstanden. Song-Entwürfe eigentlich. Ideen, die die Band kurzerhand am Computer aufnimmt. Ohne jegliche Denkverbote. Sie sind die Bleistiftskizzen vor den großen Gemälden.

Gang mit Schlagseite

Noch auf dem letzten Album, "Die Pest im Piemont", klang die Band ganz anders. Wie aus den engagierten Indie-Buben eine angesagte Gang mit Schlagseite Richtung R'n'B, Soul und Hip Hop wurde, fragen sich aber nur Menschen außerhalb der Band. Bilderbuch wirken wie eine Band, die sich frei geschwommen hat. Wie der Schüler, der seine Prüfungsangst abgelegt hat, weil er weiß, dass er den Stoff beherrscht und sogar mit ihm spielen kann.

2012 steigt der Schlagzeuger Philipp Scheibl bei Bilderbuch ein. Er bringt nicht nur frischen Wind, sondern auch den Mut zu grelleren Klangfarben, zu fetten Beats und überraschenden Rhythmen. Wenn die anderen über Scheibl sprechen, klingt es so, als hätte sein Schlagzeug-Sound den Band-Code geknackt und die Essenz von Bilderbuch destilliert. Die Musik wurde raffinierter und schnittiger. Dennoch fühlt sich die Bandentwicklung für Bassist Peter Horazdovsky organisch an.

Hip-Hop öffnet Bilderbuch die Augen. Neben den geliebten Gitarrenbands tauchen plötzlich Künstler auf, die völlig ungeniert Sounds mischen und sich an keine Schablonen halten. Nicht nur für Gitarrist Michael Krammer ein Wendepunkt. Es ist die bislang letzte musikalische Abzweigung, die die Band genommen hat.

Mit Anlauf auf die Überholspur

Mit einem koketten Augenzwinkern mischen Bilderbuch ihre Version des Soul mit peitschenden Gitarren und frischen Samples. Dabei gibt sich die Band als Kämpfer gegen die verzwickte Biederkeit - sie will dem deutschen Pop Lust und Leichtigkeit zurückgeben.

Falco, Nina Hagen oder Trio sind für Bilderbuch Bands, die die deutschsprachige Popmusik weitergebracht haben. Dieser Geschichte ein neues, zeitgemäßes Kapitel hinzuzufügen ist der Anspruch von Bilderbuch. Nach "Feinste Seide" wollen die Vier nicht nur an der Luft da oben schnuppern, sie wollen sie tief inhalieren und den aktuellen Rückenwind nutzen. Mit Anlauf auf die Überholspur.

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