Österreich ehrt Arvo Pärt

Arvo Pärt, einer der erfolgreichsten und meistgespielten Komponisten der Gegenwart, hat gestern Abend das Österreichische Ehrenzeichen für Wissenschaft und Kunst erhalten. Mit seinem auf das Wesentliche reduzierten Stil findet der estnische Komponist weltweit Beachtung, sein Oeuvre umfasst zum Großteil sakrale Musikwerke.

Morgenjournal, 16.6.2015

Mit einer musikalischen Laudatio, dargebracht vom Arnold Schoenberg Chor, ehrte man den neuen Träger des Österreichischen Ehrenzeichens für Wissenschaft und Kunst. Vier seiner Chorstücke sagen wohl mehr als tausend gesprochene Worte. Der sichtlich bewegte Arvo Pärt bezeichnete das Wiener Vokalensemble im Anschluss als "Weltwunder".

Arvo Pärts Musik war den sowjetischen Kulturfunktionären einst ein Dorn im Auge. Zu religiös und zu modern erschien ihnen sein Kompositionsstil, der sich zunächst an der Zwölftontechnik und der Seriellen Musik orientierte. In langen Jahren der Abgeschiedenheit entwickelte Pärt eine neue musikalische Sprache, deren Grundstruktur sich aus einfachen Dur- oder moll-Dreiklängen zusammensetzt und seine Arbeit bis heute prägt. Wegen des glockenähnlichen Charakters der Dreiklänge nannte er diese Technik Tintinnabuli, nach dem lateinischen Wort für Glockenklang.

Ab 1980 wurde Arvo Pärt ins Exil gezwungen, ging mit seiner Familie zunächst nach Wien und dann nach Berlin, wo er bis heute lebt. Seit damals besitzt der estnische Komponist die österreichische Staatsbürgerschaft, ansonsten sind seine Verbindungen zu diesem Land rein künstlerischer Natur: So war er 2005 Composer in Residence beim Carinthischen Sommer. Gestern Abend erhielt Pärt gleichwohl die größte Auszeichnung, die die Republik für künstlerische und wissenschaftliche Leistungen zu vergeben hat. Die Trägerinnen und Träger des Ehrenzeichens bilden zugleich eine Kurie, die über neue Auszeichnungen entscheidet. Gestern Abend war es am Architekten Wolf Prix, der dieser Kurie seit kurzem vorsteht, Dankesworte für den Geehrten zu sprechen.

Und das trifft wohl bei wenigen so sehr zu wie bei Arvo Pärt. Seine Werke erklingen heute auf der ganzen Welt, und in verstärkter Form wohl rund um den 11. September, wenn der "Philipp Glass des Ostens", wie er auch genannt wird, seinen 80. Geburtstag feiert.

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