Gladiatorenkämpfe in Carnuntum

Carnuntum ist die bedeutendste römische Ausgrabung Österreichs. Ein Außenstützpunkt der römischen Legionen. Zur Unterhaltung der Soldaten sind Gladiatorenkämpfe veranstaltet worden. Ein Forschungsteam des Ludwig Boltzmann-Institut in Wien hat nun die Stadt der Gladiatoren rekonstruiert

  • Animationsgrafik von Carnuntum aus der Vogelperspektive

    Rekonstruktion von Carnuntum mit Arena und Gladiatorenschule im Vordergrund

    ORF/Interspot

  • Virtuelle Rekonstruktion antiker Gebäude

    Rekonstruktion der Gladiatorenschule

    ORF/Interspot

  • Traktor auf einem Feld

    Schematische Darstellung der Arbeit mit dem Bodenradar

    ORF/Interspot

  • Mann in einer Grube

    Archäologe Wolfgang Neubauer erklärt seine Arbeit.

    ORF/Interspot

  • Mann vor römischen Ruinen

    Wolfgang Neubauer, der Leiter des Ludwig-Boltzmann-Instituts für Archäologische Prospektion und Virtuelle Archäologie vor dem Heidentor in Petronell

    ORF/Interspot

  • Sematische Darstellung antiker Gebäude in realer Landschaft

    Schematische Darstellung der Gladiatorenschule.

    ORF/Interspot

  • Gladiatoren in der Arena

    Virtuelle Darstellung des Gladiatorenkampfes

    ORF/Interspot

  • Gladiatoren

    Kampf der Gladiatoren.

    ORF/Interspot

|

Morgenjournal, 22.12.2015

Caroline Haidacher

Mauern reflektieren die Radarstrahlen

Jung, fit und ohne Angst vor dem Tod: Das waren die gefragten Tugenden der Gladiatoren - der Popstars der Antike. In der römischen Stadt Carnuntum im heutigen Niederösterreich wurden vor jubelndem Publikum spektakuläre Kämpfe ausgetragen. Ein Team des Ludwig Boltzmann Instituts für virtuelle Archäologie in Wien hat den Boden unter der römischen Ausgrabungsstätte mit den archäologischen Werkzeugen der Zukunft durchleuchtet.

"Ähnlich wie ein Arzt mit einer Ultraschalluntersuchung oder einem Röntgenprogramm können wir mit unseren Messsystemen in den Boden hineinblicken. Wir verwenden Messungen des Erdmagnetfelds, wir senden Radarstrahlen in den Untergrund, die reflektiert werden von Mauerstrukturen. Wir können damit ein Abbild dessen erstellen, was an römischen Überresten im Boden sich bis heute erhalten hat", erzählt Forschungsleiter Wolfgang Neubauer.

Trainingsarena der Gladiatorenschule

Neben dem berühmten Amphitheater entdeckte er mit seinem Team eine zweite, kleinere Wettkampfstätte - eine Trainingsarena. Sie gehört zu jener Gladiatorenschule, deren Entdeckung 2011 weltweit Aufsehen erregte. Junge Männer mit körperlichem Potential und Ehrgeiz wurden dort zu Kampfmaschinen ausgebildet. Für sie stand alles auf dem Spiel: In der Arena erwartete sie entweder der Tod oder großer Ruhm.

"Gladiatoren waren sicher so etwas wie die Superstars des Sports heute sind, sie waren umjubelt, sie waren Vorbilder, es gibt auch sehr viele Devotionalien, es gibt Inschriften, wo auch für bestimmte Gladiatoren Weihungen stattfinden. Die Gladiatoren waren damals wirklich etwas sehr, sehr wesentliches in der römischen Gesellschaft", betont der Forscher.

"Bedeutender als angenommen"

Entdeckt haben Wolfgang Neubauer und sein Team die Trainingsarena nicht mit Schaufel und Spaten, sondern mittels High-Tech. Die ausgewerteten Daten ergeben ein völlig neues Bild der antiken Stadt. "Wir sehen jetzt Carnuntum in einem gesamten Zusammenhang, wir sehen wie die Stadt organisiert war, wie dicht die Bebauung war und wir können auf jeden Fall sagen, dass Carnuntum bedeutender war, als wir das bisher angenommen haben."

Die antike Fanmeile

Der Weg vom Stadtzentrum bis zum Eingang der Arena war keine bloße Straße, wie die Radardaten zeigen. Auf den hochaufgelösten Bildern sind beispielsweise die Fundamente von Gebäuden mit Kochstellen deutlich erkennbar. Dies lässt auf eine antike Fanmeile schließen - das Publikum feierte also seine mutigen Stars mit Essen, Trinken und sogar mit richtigen Fanartikeln wie kleinen Gladiatorenfiguren.

Mehr in

science.ORF.at

Übersicht