Testo Junkie

Eine Frau trägt auf ihre Hand Testosteron-Gel auf, wird süchtig danach, und schließlich zu einem Mann. Anhand dieses illegalen Selbstversuchs kritisiert Paul B. Preciado die gängige Geschlechterpolitik. Sein Buch "Testo Junkie" über Sex, Drogen und Biopolitik in der Ära der Pharmapornographie ist im "b_books"- Verlag erschienen.

Kontext, 17.6.2016

Um es gleich vorweg zu sagen: Dies ist ein wildes Buch. Es ist weder ein Sachbuch oder Fachbuch, noch ein Roman oder ein Stück autobiografischer Selbstenthüllung – beziehungsweise: es ist all das in einem. So wie Paul/Beatriz Preciado sich gegen festgelegte Grenzen auflehnt, sprengt er/sie auch die Grenzen der Genres. Am Anfang steht ein Selbstexperiment: Wir schreiben das Jahr 2005, und Beatriz Preciado nimmt – ohne medizinische Anleitung und ohne eine Umwandlung zum „Mann“ zu intendieren – Testosteron als Gel, das sie auf die Haut aufträgt. Preciado beschreibt dies als eine Art erotischen Akt, der aber gleichzeitig und zunehmend auch zu einer Drogenerfahrung wird.

"Testo Junkie" ist ein wildes Buch, es versteht sich selbst als "Punk", strebt also nicht das Prädikat wertvoll an. Manche der Passagen gehen in nebulösem Theorie-Geraune unter. Von den autobiografischen Stellen sind einige berührend, andere klingen selbstverliebt-angeberisch und manche sind so explizit sexuell, dass man sie besser nicht im öffentlich-rechtlichen Rundfunk zitiert. Aber es gibt auch sehr starke Kapitel in diesem dicken Buch – und man muss nicht die ganze These vom pharmapornografischen Regime gutheißen, um wertvolle Anregungen aus der Lektüre mitzunehmen. „"Testo Junkie" ist anstrengend, ärgerlich, verstörend, aber auch extrem vielschichtig und sicherlich eines der inspirierendsten Bücher, die in letzter Zeit erschienen sind.

Service

Paul B. Preciado, "Testo-Junkie. Sex, Drogen, Biopolitik in der Ära der Pharmapornografie", b_books Verlag