Freuden der Jugend

Der Brite Denton Welch beschreibt in seinem Roman "Freuden der Jugend" einen Sommer im England der frühen 1930er Jahre und erzählt die Geschichte eines Teenagers, im Ringen um Halt und Orientierung im Leben. Das 1945 erschienene Werk liegt nun in einer Neuauflage vor.

Schwarzer Strich und Fahrrad, blauer Hintergrund

Wagenbach

Daniel Grabner

Service

Denton Welch, "Freuden der Jugend", Roman, aus dem Englischen von Carl Weissner, Wagenbach Verlag
Originaltitel: "In Youth is Pleasure"

Der hierzulande noch immer weitestgehend unbekannte Autor wird 1915 als jüngstes von vier Kindern einer englischen Kaufmannsfamilie in Shanghai geboren und verbringt seine Kindheit in China, ehe er in England der Schulpflicht nachkommt. Um dieser zu entgehen, flüchtet der sechzehnjährige Welch aber zurück nach China. 1935 wird der zwanzigjährige Kunststudent am Fahrrad von einem Auto erfasst und fristet sein restliches Dasein als querschnittsgelähmter Pflegefall. Das Krankenlager machte Welch, der eigentlich Maler werden wollte, zum Schriftsteller. Alles, was er schrieb (und malte), vollbrachte er in den wenigen Jahren, die ihm nach dem schrecklichen Unfall blieben. Er starb im Alter von 33 Jahren.

Das stark autobiografische Werk von Welch umfasst drei Romane, eine Handvoll Erzählungen, einen Lyrikband und Tagebücher. "Freuden der Jugend" ist erstmals 1985 in der Übersetzung von Carl Weissner herausgebracht worden, nun ist es im Verlag Klaus Wagenbach neu erschienen. Hauptfigur ist der junge Internatsschüler Orvil, der die Sommerferien mit seinem Vater und seinen beiden Brüdern in einem Hotel in Südengland verbringt.

Welch ist ein Meister der Bildsprache, mal aus naheliegenden und sich doch nicht abnützenden, dann wiederum aus weit entfernten Bildbereichen setzt er seine Metaphern zusammen. Da bilden Tränen im Staub des Feldwegs "feuchte Klümpchen wie Tropfen heißer Schokolade" und eine Achatfigur, die sich Orvil in den Mund steckt und gegen die Zähe stößt, hört sich an, wie "eisenbeschlagene Stiefel auf einem winterlich kalten Pflaster".