Senora Gerta: die Wienerin Gerta Stern

Im spannenden Buch "Senora Gerta" wird erzählt, wie die Wiener Jüdin Gerta Stern auf ihrer Flucht nach Panama die Nazis austrickste. Gerta Stern feiert in einigen Wochen in ihrer Wahlheimat Panama ihren 101. Geburtstag. Aufgeschrieben hat Gerta Sterns Lebensgeschichte die deutsche Journalistin und Autorin Anne Siegel.

Kontext, 23.9.2016

Gerta Stern ist 100 Jahre alt. Eine Frau, die in ihrem Leben so viel erlebt hat, dass es für eine ganze Großfamilie reichen würde. Ein Leben wie ein Panoptikum der Zeitgeschichte. Gerta Stern wird am 24. Oktober 1915, also knapp ein Jahr nach Beginn des ersten Weltkrieges, als Gerta Lagodzinsky in ein Wien geboren, in dem noch der Kaiser regiert, in das Konglomerat Österreich-Ungarn - mit seinen 53 Millionen Einwohnern ein Vielvölkerstaat mit unzähligen unlösbaren Problemen. Die kleine Gerta ist nach dem Tod des ersten Kindes ihrer Eltern in deren Augen ein großes Wunder. Und als in Wien ein Ebenbild des amerikanischen Kinderstars Jackie Coogan, berühmt geworden als "The Kid" an der Seite von Charlie Chaplin, gesucht wird, schlägt Gertas große Stunde.

Die Autorin Anne Siegel hat Gerta zufällig in Panama kennengelernt, bei der Recherche für eine andere Geschichte, die beiden Frauen stehen einander nah, das merkt man bei der Lektüre immer wieder. Und doch gelingt es der Autorin, sich nicht involvieren zu lassen. Immer wieder springt sie in der Zeit vom gestern ins heute, vergleicht die historischen Entwicklungen in Österreich, Deutschland und Panama, entführt die Leser in die Hamburger Reederei oder ins Hollywood der 1920er Jahre, um dann gekonnt wieder ins Leben von Gerta und Moses Stern zurückzukehren. Geschichte, Lebensart, Politik, Wirtschaft – 100 Jahre Weltgeschichte verpackt in das Leben einer Frau. Dieses Buch über die quicklebendige bald 101-jährige Gerta Stern ist in jeder Hinsicht ein Glücksfall.

Service

Anne Siegel, "Senora Gerta – Wie eine Wiener Jüdin auf der Flucht nach Panama die Nazis austrickste", Europaverlag