Friesenberghaus

ORF/ROMAN TSCHIEDL

Friesenberghaus, Tirol

Aus wuchtigen Bruchsteinen gefügt, steht auf 2.500 Meter Seehöhe das Friesenberghaus in den Zillertaler Alpen. Ab 1928 errichtet, war das Schutzhaus bis 1938 eine hochalpine Zitadelle gegen den Antisemitismus, der nach dem 1. Weltkrieg die Oberhand im Alpenvereinswesen gewonnen hatte.

Das Schutzhaus

Nach dem 1.Weltkrieg brachen vor allem österreichische Sektionen des 1873 gegründeten Deutschen und Österreichischen Alpenvereins (DuOeAV) unter Führung des pathologischen Antisemiten, deutschnationalen Burschenschafters und Obmanns der großen Wiener Alpenvereinssektion Austria", Eduard Pichl, dem "völkischen" Antisemitismus seinen Weg im Alpenverein.

Nach jahrzehntelangen Auseinandersetzungen innerhalb der Dachorganisation, die ihren Ausgang bereits in den 1890er-Jahren genommen hatten, setzte Pichl 1921 den sogenannten "Arierparagraphen" putschartig in der Sektion Austria durch. Erklärtes Ziel des antisemitischen Flügels aber war es, den gesamten DuOeAV in Folge "judenrein" zu machen.

  • Friesenberghaus mit Aussicht

    ORF/ROMAN TSCHIEDL

  • Schafe beim Friesenberghaus

    ORF/ROMAN TSCHIEDL

  • Schild am Friesenberghaus

    ORF/ROMAN TSCHIEDL

  • Fassade

    ORF/ROMAN TSCHIEDL

  • Blick nach draußen

    ORF/ROMAN TSCHIEDL

|

Aus dem Verein gedrängte jüdische und liberale Mitglieder der Alpenvereinssektion Austria, die ein Drittel aller Mitglieder ausgemacht hatten, gründeten in Folge die Sektion "Donauland" im DuOeAV, die auf Betreiben Pichls im Dezember 1924 aber wieder aus dem Alpenverein ausgeschlossen wurde. Dem waren Diffamierungen und Schikanen, Hakenkreuze an den Schutzhütten und Plakate mit der Aufschrift "Juden und Mitglieder des Vereines 'Donauland' sind hier nicht erwünscht" vorausgegangen. Ein Leitartikel im "Jüdischen Echo" kommentierte damals:

Den Feindseligkeiten begegnete die Donauland mit der Pacht eigener Berghütten und kurz vor ihrem Ausschluss konnte, den Bemühungen einiger österreichischer Alpenvereinssektionen zum Trotz, noch die Glorer Hütte in der Glocknergruppe erworben werden.

Gedenktafel

ORF/ROMAN TSCHIEDL

Von den insgesamt über 300 Sektionen des DuOeAV leisteten nur wenige deutsche Sektionen Widerstand gegen den Ausschluss der Donauland, die von ihren Mitgliedern dann 1925 in den eigenständigen "Alpenverein Donauland" umgewandelt wurde. In einer ähnlichen Situation und im Protest gegen den Ausschluss der Donauland, gründeten 600 deutsche Alpenvereinsmitglieder daraufhin auch den "Deutschen Alpenverein Berlin" außerhalb des DuOeAV.

Mit Hilfe des Alpenvereins Donauland, konnte dieser Verein 1928 ein Grundstück in den Zillertaler Alpen erwerben und dort auf rund 2.500 Meter Seehöhe mit dem Bau einer eigenen Schutzhütte, dem "Friesenberghaus", beginnen. Nach Plänen des Baden-Württemberger Alpinisten und Architekten Wilhelm Durand von dem Mayrhofener Baumeister Hans Pfister errichtet, konnte das Schutzhaus ab 1931 bewirtschaftet werden.

Friesenberghaus

ORF/ROMAN TSCHIEDL

Bevor der Berliner Alpenverein nach der Machtergreifung Hitlers 1934 aufgelöst und enteignet wurde, überschrieb er das Friesenberghaus dem Alpenverein Donauland. Im Frühjahr 1938 waren aber auch dessen Jahre gezählt. Kurz nach dem "Anschluss" wurde der AV Donauland von der Gestapo aufgelöst, das Friesenberghaus der Wehrmacht und die Glorer Hütte dem nun nationalsozialistisch gelenkten Deutschen Alpenverein (DAV) übereignet.

Historische Aufnahme des Friesenberghauses von Wilhelm Durand, 1929

Historische Aufnahme des Friesenberghauses von Wilhelm Durand, 1929.

MADELEINE DURAND-NOLL

Am Ende des Krieges wird das Friesenberghaus ausgeplündert und, wie auch die Glorer Hütte, später an den wiedergegründeten Alpenverein Donauland restituiert. Die wenigen, der ehemals rund 3.000 Mitglieder der Donauland, die Krieg und Holocaust überlebt hatten, konnten die beiden Schutzhäuser aber auf Dauer nicht erhalten und traten das Friesenberghaus daher 1968 an die junge Sektion Berlin, die Glorer Hütte an die Sektion Eichstätt des Deutschen Alpenvereins ab.

Gestaltung: Roman Tschiedl

Service

Friesenberghaus

Martin Achrainer, "So, jetzt sind wir ganz unter uns!" Antisemitismus im Alpenverein. In: Hanno Loewy, Gerhard Milchram (Hg.), "Hast Du meine Alpen gesehen? Eine jüdische Beziehungsgeschichte." Buchner 2009

Deutscher Alpenverein, Österreichischer Alpenverein und Alpenverein Südtirol (Hg.), "Berg Heil! Alpenverein und Bergsteigen 1918-1945." Böhlau 2011

Übersicht