KUZ Mattersburg

ARCHITEKTURZENTRUM WIEN/SAMMLUNG

"SOS Brutalismus - Rettet die Betonmonster!" im Az W

Diese Ausstellung ermöglicht die Wiederentdeckung eines lange geschmähten Architekturphänomens, denn die brutalistische Architektur, die zwischen 1953 und 1979 in aller Welt entstand, wird entweder geliebt oder gehasst. Die Ausstellung aus Frankfurt/Main ist jetzt - erweitert um österreichische Highlights - im Architekturzentrum Wien (Az W) zu sehen.

Was bisher als Bausünde galt, soll nun gerettet werden

In den 1960er Jahren wurden sie mit Preisen dekoriert, weil der Baustoff Beton plötzlich ermöglichte, Häuser wie Skulpturen zu gestalten. Heute sind viele von ihnen schon abgerissen. Wie etwa das Hochhaus von Karl Schwanzer beim WIFI in St. Pölten. Neuerdings kommt es zu einem Umdenken: Was bisher vielen als Bausünde galt, erlebt nun einen Hype und soll gerettet werden. Etwa das Kulturzentrum in Mattersburg oder das Kongresszentrum in Bad Gastein.

Morgenjournal | 02 05 2018

Sabine Oppolzer

Gesellschaftspolitische Dimension

Für Angelika Fitz, die Leiterin des Architekturzentrums Wien, ist der Brutalismus eines der spannendsten Phänomene der Architektur: "Diese Bauten aus Sichtbeton in monumentalen Maßstäben haben sich in nur zwei Jahrzehnten über den ganzen Globus ausgebreitet. Es war aber nicht nur ein ästhetisches Konzept, sondern hatte auch gesellschaftspolitische Dimensionen: Den Architekten ging es von Anfang an um eine neue demokratische Gesellschaft, für die sie neue Infrastrukturen errichteten - Theater, Universitäten, Krankenhäuser."

Ausstellungsansicht

LISA RASTL

Le Corbousier als Wegbereiter

Le Corbousier war einer der Vorreiter des Brutalismus in Europa, wo die monumentalen brutalistischen Bauten für den gesellschaftlichen Neubeginn nach dem Krieg standen. Oft kaschierten sie aber auch nur Baulücken nach Bombentreffern und hatten damit oft einen tragischen Anstrich.

In rasender Geschwindigkeit die Welt erobert

Ganz anders in anderen Teilen der Welt, wo sie zu Symbolen für neu entstandene Nationen wurden. Etwa in Afrika oder Asien, wo die Dekolonialisierung begann, und man eine Architekturform suchte, die die neuen Staaten stolz nach außen repräsentierte. In den Ostblockstaaten sorgte die Planwirtschaft für brutalistische Bauten und in Südamerika standen sie für einen gewissen wirtschaftlichen Aufschwung. So hat also der Brutalismus von England ausgehend die Welt erobert.


Brutalismus in Österreich

In der Schau gibt es große Papiermodelle kleiner Betonmodelle, viele Fotos und Pläne. Unter den Highlights im Österreich-Teil ist natürlich die Wotruba-Kirche zu sehen, aber auch das 1978 errichtete Terrassenhaus in Graz St. Peter, das zu einem der heute noch beliebtesten Wohnbauten gehört.

Warum, erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Sonja Pisarek: "In einer Zeit, als das noch gar nicht üblich war, ermöglichte man den Bewohnern einen partizipativen Planungsprozess und damit einen hohen Grad an individuellem Wohnen. Der zweite Grund, warum bis heute, 40 Jahre später, immer noch ein großer Andrang um diese Wohnungen herrscht: die großen Freiflächen um die oft bis zwölf Meter hohen Wohntürme. Auch die verkehrsbefreite Zone im Innenhof trägt zur Wohnqualität bei."

Service

Az W - "SOS Brutalismus. Rettet die Betonmonster!", 3. Mai bis 6. Auugust 2018
Eine Diskussion über das Für und Wider brutalistischer Bauten gibt es am 16. Mai im Az W.

Instagram - #SOSBrutalism

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