Hildegard Burjan

ÖNB/ORF/ISABELLE ORSINI-ROSENBERG

Hildegard Burjan

Mitglied im Wiener Gemeinderat und einzige weibliche Abgeordnete der Christlich Sozialen Partei in der Konstituierenden Nationalversammlung.


Hildegard Burjan wurde 1883 in Görlitz (Schlesien) als Hildegard Freund geboren und starb 1933 in Wien. 2012 wurde sie seliggesprochen

Die katholischen Arbeiterinnen können eine Entwicklung, die sie ihrem natürlichen Beruf als Frau und Mutter entzieht, durchaus nicht als kulturellen und gesellschaftlichen Fortschritt begrüßen.

Sie studierte Philosophie und Germanistik in Zürich, sowie Nationalökonomie und Sozialpolitik in Berlin. Ein Studium an der Universität Wien war Frauen zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich. Nach schwerer Krankheit konvertierte sie vom Judentum zum Christentum. Nach ihren Studien wurde Dr.in Hildegard Burjan Mitglied im Wiener Gemeinderat und die einzige weibliche Abgeordnete der Christlich Sozialen Partei in der Konstituierenden Nationalversammlung. Sie war die Gründerin des Verbands der christlichen Heimarbeiterinnen, des Vereins Soziale Hilfe, sowie der Schwesternschaft "Caritas socialis".

“Liegt nicht eine tiefe Symbolik darin, daß wir Frauen die politische Gleichberechtigung gerade in dem Augenblick bekommen, da unser Vaterland so tief darniederliegt? Der furchtbare Ernst, die schwere Verantwortung, die uns die bürgerlichen Rechte bringen, gräbt sich uns in die Seele ein. ... Wir … sind uns ganz klar darüber, daß unsere Bürgerrechte nur Vorbedingung dazu sind, um unsere Pflichten dem armen, zusammengebrochenen Staat gegenüber voll und ganz erfüllen zu können. Das Ziel aber liegt in weiter Ferne - hohe, unwegsame Berge von Frauenelend, Ströme von Kindertränen, Klüfte und Schluchten von unrationeller Erwerbsarbeit, Tiefen von falscher Erziehung, von Unsittlichkeit und Verwahrlosung trennen uns noch davon. … Uns Frauen hat die Enttäuschung nicht mutlos gemacht, unsere Kraft nicht gebrochen. Durch eigene Leiden und Mitleid sind wir Frauen ‘wissend’ geworden, und glühen danach, unser ‘Wissen’ nicht für uns behalten zu müssen, sondern es für alle Notleidenden, für alle Armen, Sorgenvollen, Bedrängten, Kranken und Verzweifelten verwerten zu können. … Nie hat aber Frauenliebe wertvollere Arbeit zu leisten gehabt, als in der kommenden Nationalversammlung. Wir Frauen bringen aber auch unseren gesunden Hausverstand mit, der die Dinge konkret und praktisch anpackt, der sich nicht in abstrakte Klügeleien verliert und oft Schwierigkeiten zu überwinden versteht, vor denen der Verstand der verständigsten Männer zurückschreckt.”
Reichspost, 20. Februar 1919

Gestalterinnen: Sophie Menasse und Birgit Allesch

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