Piktogramm mit Männern und Frauen

ORF/JOSEPH SCHIMMER

100 Jahre Frauenwahlrecht

Kennen Sie Anna Boschek, Gabriele Proft, Amalie Seidel oder Hildegard Burjan? Vermutlich nicht. Sie waren Arbeiterinnen, Hausgehilfinnen und Dienstmädchen, nur die Letztgenannte kam aus den gebildeten Ständen. Gemeinsam ist den vier heute weitgehend Unbekannten: Sie wurden vor einhundert Jahren, am 16. Februar 1919, zusammen mit vier weiteren als erste Frauen in die Konstituierende Nationalversammlung der Republik Deutschösterreich gewählt.

Drei Monate davor, am Gründungstag der Republik im November 1918, wurde das allgemeine, gleiche und geheime Stimmrecht aller Staatsbürger "ohne Unterschied des Geschlechts" beschlossen.

Heute, einhundert Jahre später, sind wir von einer Parität der Geschlechter nach wie vor weit entfernt. Der Frauenanteil in der österreichischen Spitzenpolitik liegt bei etwa 36 Prozent, im EU-Durchschnitt sind es gar nur 29 Prozent. Spitzenreiter sind Schweden und Finnland mit einer Frauenquote von weit mehr als 40 Prozent, Schlusslichter sind Malta und Ungarn. In unserem östlichen Nachbarland werden nur zehn Prozent aller politischen Spitzenfunktionen von Frauen besetzt. Am schwächsten vertreten sind Frauen in der österreichischen Politik übrigens weder in der Regierung noch in den Landtagen oder im Nationalrat, am schwächsten vertreten sind Frauen in den Gemeindestuben. Nur circa sieben Prozent aller Bürgermeister in Österreich sind Bürgermeisterinnen. Warum das so ist? Wir werden es, wie ich hoffe, in den nächsten Wochen erfahren. Denn Ö1 nimmt die runden hundert Jahre Frauenwahlrecht zum Anlass, um sich im Februar und auch noch im März intensiv mit der Lage der Frauen zu beschäftigen.

In den "Hörbildern" werden einen Monat lang ausschließlich Frauen porträtiert, in den "Gedanken" kommen einen Monat lang ausschließlich Frauen zu Wort. Dazu kommt eine Vielzahl anderer Sendungen quer durch alle Disziplinen und Genres.

Besonders hinweisen möchte ich allerdings auf eine 52-teilige Serie, die ab 1. Februar jeden Tag im Rahmen unserer Morgensendung zu hören sein wird. Unter dem Titel "Frauenmacht – Frauen machen Politik“ stellen wir in Form von Audiovignetten 52 Frauen vor, die die Geschichte der österreichischen Politik während der letzten hundert Jahre geprägt haben oder sie noch prägen. Die Zahl ist nicht zufällig gewählt. Der Frauenanteil in der österreichischen Bevölkerung beträgt knapp 52 Prozent.

Noch ein Hinweis in eigener Sache: In der Führungsetage von Ö1 stehen zurzeit sieben Frauen zwölf Männern gegenüber. Das entspricht, wie in der Spitzenpolitik, einem Frauenanteil von etwa 36 Prozent. Ob Zufall oder nicht – es gibt jedenfalls auch bei uns noch einiges zu tun. Findet nicht nur

Ihr
Peter Klein,
Ö1 Programmchef

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