Gestapelte Bleistifte

AFP//PHILIPPE DESMAZES

Kulturjournal Spezial - Das Gesetz der Serie

Das Klischee der seichten, hirnlosen Fernsehunterhaltung haben sie längst hinter sich gelassen und sich fast schon zu mehrteiligen Erzählkunstwerken mit hohem ästhetischem Anspruch emporgehangelt. Und immer hartnäckiger hält sich die Prophezeiung, dass die Serie nach und nach Literatur, Theater, Kino und andere Medien verdrängen wird. Und dann?

Kulturjournal | 05 02 2019
Judith Hoffmann

Spätestens seit Hits wie "Breaking Bad" oder "Game of Thrones" - also seit gut zehn Jahren - wird vor allem in den Medien gerne und ausführlich von einem Serienboom gesprochen. Wer eine spannende Geschichte mit interessanten Figuren erleben will, geht schon längst nicht mehr ins Theater und oft nicht einmal ins Kino, sondern schaut, am liebsten über Streaming-Dienst, eine Serie.

Allerdings, so der Germanist und Medienexperte Rüdiger Wischenbart, "neu" sei an diesem "neuen Phänomen" lediglich die Verbreitungsform und die Experimentierfreude der Produzenten. Alles andere gehorche einer vielleicht schon Jahrhunderte alten Formel, mit der Wischenbart die ungebrochene menschliche Lust auf Fortsetzungsgeschichten zusammenfasst: "Und dann?"

Alles beginnt mit der Story

Viel mehr Gewicht als früher üblich erhält die gute Story als Ausgangsbasis für den Serienerfolg. Sie entsteht zumeist in einem "Writers‘ Room" im Kollektiv, und anders als früher wird sie danach nicht in die Hände von Redakteuren und Produzenten überantwortet, sondern gemeinsam mit den Autoren - jetzt "talents" - entwickelt und fertiggestellt.

Das erlaubt einen gefinkelteren Umgang mit den Figuren, lässt mehr Sorgsamkeit bei Dialogen und Handlungssträngen zu und macht ganz offensichtlich Zuschauern und Produzenten wesentlich mehr Spaß. Denn plötzlich ist nicht mehr sicher, ob der Serienheld jedes Abenteuer überlebt, oder doch mittendrin von einem anderen Protagonisten abgelöst wird. Plötzlich dürfen Zuschauer überfordert, in ihren Erwartungen gnadenlos enttäuscht und in ihren Serien-Sehgewohnheiten überrumpelt werden.

Ob das dramaturgische Konzept einer Serie funktioniert, wird übrigens unmittelbar und gnadenlos überprüfbar: dank der Möglichkeit des "Binge-Watching", also via Streaming-Plattform eine ganze Staffel in einem durch zu sehen, ohne von Woche zu Woche auf die neue Folge zu warten.

Audio-Podcasts: Serienspaß für die Ohren

Die Faszination der Serie ist, vor allem im angloamerikanischen und skandinavischen Raum, längst vom Sehen auch aufs Hören übergegangen: Podcast-Serien, allen voran "true crime stories", fesseln ihre Hörerschaft allein durch die akustischen Welten, die sie eröffnen. Nach dem großen Erfolg der Doku-Krimi-Serie "Seriel" folgten fiktionale Podcasts wie "Alice Isn’t Dead" oder "Homecoming", die auf teils verblüffende Weise größeres Entsetzen, hellere Begeisterung und schlotterndere Knie hervorrufen können als ihre "Kollegen" es mit Bild und Ton vermögen.

Dabei läuft alles stets auf das Prinzip "weniger ist mehr" hinaus, erzählen die Ö1 Redakteure Monika Kalcsics und Philip Scheiner, die derzeit an der ersten vom ORF produzierten Podcast-Serie arbeiten. "Fake News Blues" heißt die dreiteilige Serie nach Idee und Konzept von Monika Kalcsics, geschrieben wurde sie von Studierenden der Drehbuchklasse an der Wiener Filmakademie, produziert von Philip Scheiner.

Der dreiteilige Audiokrimi handelt von zwei Verschwörungstheoretikern, gespielt von den FM4-Moderatoren Hannes Duscher und Roland Gratzer, die das "Ö1 Abendjournal" kapern, um ihre Botschaft in den Äther zu schicken. Doch der Plan misslingt und es beginnt eine spektakuläre nächtliche Entführungsfahrt im Übertragungswagen durch die Österreichische Provinz.

Zu hören ist "Fake News Blues" ab 26. März auf FM4, Ö1 und via Podcast.

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