Hörspiel Suche
ERLKÖNIGIN
Autorin
Elfriede Jelinek (Österreich)
Regie
Martin Zylka
Musik
Franz Hummel
Produktion
WDR , 2005 (Übernahme)
Inhalt
Einem alten Brauch entsprechend wird die Leiche einer alten, berühmten Burgschauspielerin vor ihrer Beisetzung dreimal um das Wiener Burgtheater herumgetragen - doch in diesem Fall spricht die Leiche noch. In einem Monolog reflektiert die Doyenne ihr berufliches wie privates Leben als erfolgreiche, ja berühmte Schauspielerpersönlichkeit. Selbstbespiegelung und Selbstlob täuschen nicht darüber hinweg, dass sie als Schauspielerin tatsächlich eine große Macht über ihr Publikum ausgeübt hat. Ähnlich der Figur des Erlkönigs aus Goethes gleichnamiger Ballade, auf die sich der Titel bezieht, ist diese "Erlkönigin" eine Verführerin und war als solche den Nationalsozialisten zu Diensten. Sie ist den Reizen der Macht erlegen, ist eine von der Macht und deren Trägern Verführte, die ihrerseits ihr Publikum verführt, indem sie sich dessen Schwächen und Bedürftigkeiten zunutze macht. Sie weiß um das Bedürfnis des Publikums nach Führung und kennt ihre Funktion als Star innerhalb des gesellschaftlichen Systems ihrer Zeit. Selbst über den Tod hinaus lässt die Macht sie nicht los, lässt sie die Macht nicht los: Machthörig durch und durch steht sie auch für eine immerwährende Gestrigkeit, die nicht nur in der Alpenrepublik überlebt hat.
Sendedaten
24. Oktober 2006 (Ü )