Diagonal - Radio für Zeitgenossen
Zum Thema: Korruption - Jeder ist käuflich. Präsentiert von Michael Schrott * Anschl.: Diagonals Feiner Musiksalon: "Einstürzende Neubauten": "Alles wieder offen"
24. November 2007, 17:05
Zum Thema: Korruption - Jeder ist käuflich
Friedrich II. bestach Minister am Hof der Kaiserin Maria Theresia und ging davon aus, dass diese ihrerseits seine Minister bestach. Diplomaten hatten in den feudalen Staaten des 18. Jahrhunderts gewissermaßen ein Anrecht darauf, bestochen zu werden. Preußische Beamte erhielten nur etwa zwei Drittel des Gehalts, das sie zur Finanzierung eines Lebensstils benötigten, der von ihnen aufgrund des Dienstranges erwartet wurde.
Heute bessern Beamte, die sich schlecht bezahlt fühlen, nicht nur in Entwicklungsländern ihr Einkommen durch Schmiergeld auf, das der Bürger dafür bezahlt, dass er Leistungen erhält, auf die er ohnehin Anspruch hätte. Wer gut schmiert, fährt gut, egal, ob er eine Baugenehmigung, eine Nachtlokallizenz oder eine Abholzungsgenehmigung im Naturschutzgebiet benötigt.
Und wie freigiebig sind eigentlich Lobbyisten? Wie groß ist das "Werbekosten"-Budget eines Kampfflugzeug-Herstellers? Und welche "Werbegeschenke" darf ein Journalist eigentlich annehmen?
Österreich lag im internationalen Korruptionsranking auf dem guten 11. Platz. 2007 ist es auf den 15. abgesunken. Die Spitzenposition nehmen Finnland, Dänemark und Neuseeland gemeinsam ein. Auf den schlechtesten, letzten Rängen finden sich Irak, Myanmar (Burma) und Somalia.
Service
Peter Eigen, "Das Netz der Korruption, Transparency International - Wie eine weltweite Bewegung gegen Bestechung kämpft", Campus Verlag
Roberto Saviano, "Gomorrha - Reise in das Reich der Camorra", Hanser Verlag
Martin Rümmele, "Kranke Geschäfte mit unserer Gesundheit", NP-Buchverlag
Link-Tipps
Offizielle Website der internationalen Antikorruptionsbehörde Transparency International
Die Webseite der Initiative MEZIS ("Mein Essen zahl ich selbst - Initiative unbestechlicher Ärztinnen und Ärzte")
