Radiokolleg - "Ganz alleine"

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Österreich
(2). Gestaltung: Karin Holzfeind und Ulrike Schmitzer

Jeder zweite Flüchtling ist nach UNICEF-Schätzungen ein Kind oder ein Jugendlicher. Viele sind völlig alleine unterwegs. Im Jahr 2009 erreichten 1.185 dieser "unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge" (UMF) Österreich. Die meisten jugendlichen Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, aus Nigeria und der Russischen Föderation. Im Jahr 2009 beantragten Jugendliche aus 58 Nationen Asyl.

Die Situation der jungen Flüchtlinge ist schwierig. Sie haben in den meisten Fällen eine monatelange traumatische Flucht hinter sich, sind von ihrer Familie getrennt und kommen in ein Land mit einer anderen Sprache und Kultur. Gründe für die Flucht sind die politische Situation ihres Heimatlandes, ökonomische Gründe, aber auch soziale Gründe wie der Verlust der Familie oder Gewalt in der Familie.

Als besonders belastend empfinden sie die Ungewissheit, ob sie bleiben dürfen. Allein die Abklärung der Zulassung zum Asylverfahren in Österreich kann von zwei Wochen bis zu ein paar Monaten dauern. Im März 2009 warteten fast die Hälfte aller jungen Asylwerber/innen bereits länger als fünf Jahre auf einen Entscheid der Behörde.

In den ersten fünf Monaten 2010 haben 428 UMF einen Asylantrag gestellt. 108 von ihnen wurden für volljährig erklärt. Denn das Alter der Flüchtlinge ist entscheidend. Sind sie unter 18, wird der Asylantrag in dem Land behandelt, in dem sie den Asylantrag stellen, während Erwachsene den Antrag nur in dem EU-Land stellen können, in das sie zuerst eingereist sind (Dublinregelung). Außerdem gibt es für UMF im Rahmen der Grundversorgung spezielle Formen der Betreuung, wie die Bereitstellung von Deutschkursen oder Therapien für traumatisierte Jugendliche.

Seit Jänner 2010 wird bei nahezu allen, die angeben, unbegleitete Minderjährige zu sein, im Asylverfahren eine Altersfeststellung durchgeführt. In mehr als 70 Prozent der Fälle werden die Jugendlichen im Anschluss für volljährig erklärt. Derzeit gibt es aber keine wissenschaftliche Methode, das Alter der Jugendlichen genau zu bestimmen, Abweichungen von 1,5 Jahren sind nicht auszuschließen, kritisieren NGOs.

Vom österreichischen Staat bekommen die jungen Flüchtlinge eine Grundversorgung, um viele andere Aspekte kümmern sich aber oft Menschen ehrenamtlich. So gibt es in Österreich 179 Pat/innen, die die Jugendlichen begleiten, unterstützen und in die österreichische Gesellschaft einführen.

Service

Fronek, Heinz: Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Österreich (Buch Mandelbaum Verlag)

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