Dimensionen - Magazin

1. Treibhausgas-Emissionen der Landwirtschaft
2. Leonardo da Vincis Herz-Studien und moderne Anwendungen
3. Ehe als Rechtsgeschäft
4. Akademikerschwund durch Titelaberkennungen

Redaktion und Moderation: Franz Tomandl

Die landwirtschaftliche Tierhaltung verursacht europaweit mehr Treibhausgase als bei industriellen Prozessen entstehen. Das ist das Ergebnis einer Studie des Gemeinsamen Forschungszentrums der EU, die kürzlich veröffentlicht wurde. Ein Kilogramm Rindfleisch "kostet" umgerechnet 22 Kilogramm Kohlendioxid - und trägt damit nicht unerheblich zur Erderwärmung bei. Wird Fleisch importiert, verschlechtert sich die Klimabilanz noch einmal. Ein Kilogramm Lammfleisch aus Neuseeland etwa wirkt sich auf das Klima so aus wie 80 Kilogramm Kohlendioxid - die Klimaforscher rechnen immer in CO2-Äquivalenten, weil andere Treibhausgase wie Methan oft eine vielfach höhere Wirkung als Kohlendioxid haben. Mit Franz Weiss, Institut für Umwelt und Nachhaltigkeit, JRC-EU,Ispra; Autor: Franz Zeller.

Das Renaissance-Genie Leonardo da Vinci hat nicht nur für die Kunst sondern auch für die Wissenschaft Pionierarbeiten geleistet. Seine Herzklappen-Studien werden heute noch von Herzchirurgen für ihre Operationstechniken herangezogen. Von 2006 bis 2007 hat eine große Ausstellung in London über Leonardos Herzklappen weltweit Interesse geweckt. Da Vinci hat auf der Basis seiner anatomischen Studien und vor allem auf Basis seiner Tätigkeit als Flussbauingenieur als erster erkannt, dass für das Funktionieren der Herzklappen Turbulenzen eine Schlüsselrolle spielen. Er hat diese zeichnerisch so präzis dargestellt, dass sie jetzt - 500 Jahre später - von der Wissenschaft bestätigt und für die Herstellung von bionischen Produkten genützt werden. Mit Christian Paul Berger, freier Philosoph, Mathematiker und Wissenschaftshistoriker in Bregenz. Autorin: Maria Mayer.

Die Institution der Ehe war immer weit mehr als eine private Übereinkunft zweier Menschen: In der Geschichte der Neuzeit ist sie ein zentrales gesellschaftlich-ökonomisches Ordnungsmodell. Wie über Vermögen zu verfügen sei - sowohl das in eine Ehe eingebrachte als auch das gemeinsam erwirtschaftete - dafür gibt es ebenso verschiedene Regelungen wie über die daraus resultierende Hinterbliebenen -Versorgung. Fixiert wurden solche Dinge - ehedem viel öfter als heute - in Heiratsverträgen, in denen die Ehe quasi "ausgehandelt" wurde. Mit diesem Thema beschäftigt sich der neue Band aus der Reihe "L´Homme-Archiv" (Böhlau Verlag) der europäischen Zeitschrift für Feministische Geschichtswissenschaft, der gestern in Wien präsentiert wurde. In vier Detailstudien analysieren Historikerinnen das "Aushandeln von Ehe" anhand von Heiratsverträgen aus drei Jahrhunderten. Mit Margareth Lanzinger, Universität Wien; Gestalterin: Sabrina Adlbrecht.

Margareth Lanzinger, Gunda Barth-Scalmani, Ellinor Forster, Gertrude Langer-Ostrawsky: "Aushandeln von Ehe. Heiratsverträge der Neuzeit im europäischen Vergleich".
Köln/Weimar/Wien: Böhlau 2010 (L'Homme Archiv 3).

Österreichs Akademikerquote liegt mit 18 Prozent Anteil an der erwachsenen Bevölkerung deutlich unter dem OECD-Schnitt. Und sie droht weiter zu sinken. Der Grund : Nach dem Bekanntwerden zahlreicher Plagiatsfälle bei Abschlussarbeiten wurden auch dementsprechend viele akademische Titel aberkannt. Die Universitäten haben nun Gegenmaßnahmen ergriffen: das erste Zentrum für Reha- Dissertation hat bereits seinen Betrieb aufgenommen, um gescheiterte Akademiker in die Wissenschaftsgemeinschaft zurückzuführen. Mit Reinhard Knoll, Soziologe, Universität Wien; Ulla Aufschneiter-Prozentner, Statistikabteilung des Instituts für Tiefere Studien IST, eine Betroffene. Autoren: Martin Haidinger und Florian Petautschnig.


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