Gedanken für den Tag

von Anita Pollak. "In den Hütten sollt Ihr wohnen" - Gedanken rund um die jüdische Holiday-Season

Wann und wie ein Jahr beginnt, ist eine Frage des Standortes und nicht zuletzt der Religion. Das jüdische Neujahr beginnt mitten im Herbst und läutet eine Zeit der Einkehr, der Umkehr, der Besinnung und der Buße ein, die im Versöhnungstag ihren Höhepunkt erreicht. Das darauf folgende einwöchige Laubhüttenfest dagegen ist ein fröhliches Familienfest.

Die Herbstfeiertage bilden das Zentrum des religiösen jüdischen Lebens. Was können sie heute bedeuten, wie werden sie in einer nicht-jüdischen Umgebung begangen und welche spirituelle Kraft geht von ihnen aus? Fragen und Gedanken der Kulturpublizistin Anita Pollak.
Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer.

Vor wenigen Tagen ist ein Neues Jahr angebrochen. Das Jahr 5772 der jüdischen Zeitrechnung. Für Jüdinnen und Juden in aller Welt gelten nämlich zwei Jahreszahlen, zwei Kalender. Nach dem herkömmlichen, julianischen Kalender wird gelebt und wird gearbeitet. Nach dem jüdischen Mondkalender wird gefeiert und wird getrauert.

Und wie begehen Juden ihren Jahresbeginn, wie feiern sie den Jahreswechsel?

Also zunächst einmal anders.
Das heißt, das Jahr beginnt im Herbst. Warum auch nicht? Die Ernte ist eingebracht, die Menschen kehren zurück in die Häuser, zurück zu sich selbst. Und Einkehr kennzeichnet auch den jüdischen Jahresanfang. Da gibt es keine Feuerwerke, keine Partys, keine ausgelassenen Feste.

Rosch Haschana, der Beginn, im wörtlichen Sinn auch der "Kopf" des Jahres, ist ein zweitägiger Feiertag, der heuer auf Ende September gefallen ist. Nach dem jüdischen Kalender ist es kein bewegliches Fest, sondern wird immer am ersten Tischri begangen. Dem ersten Tag der Weltschöpfung nach rabbinischer Tradition. Und dieser Monat Tischri ist fast zur Gänze die jüdische Holiday-Season. In Israel ist sie in mancher Hinsicht wie hierzulande die Zeit zwischen Weihnachten und dem Drei-Königstag. Das öffentliche Leben steht still. Es gibt ein langes Davor und eine ziemliche Vorfeiertagshektik. Und alles Mögliche wird auf Danach verschoben, wenn das normale Leben wieder beginnt. Denn die Feiertage sind eine Ausnahmezeit und vor allem eine Auszeit vom Alltag. Es wird nicht gearbeitet, Familien kommen zusammen. Religiöse Menschen verbringen viele Stunden in der Synagoge. Und auch kaum Gläubige halten sich noch gern an Traditionen und Rituale, die ihnen von Kindheit an vertraut sind.

Feiertage - in allen Religionen sind sie geprägt von Erinnerungen und Traditionen. "Erinnere Dich!", ist ein Aufruf, der schier unzählige Male in der Bibel steht.

Die "Gedanken" dieser Woche kreisen um die jüdischen Herbst-Feiertage, ihre alten Traditionen und ihre lebendige Gegenwart.

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