Gedanken für den Tag

von Barbara Helige. "Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben" - Menschenrechte im täglichen Leben

"Der Menschheit Würde ist in eure Hand gegeben, bewahret sie!", forderte schon der deutsche Dichter Friedrich Schiller.

Das Konzept der Menschenrechte geht davon aus, dass alle Menschen allein aufgrund ihres Menschseins mit gleichen Rechten ausgestattet und dass diese egalitär begründeten Rechte universell, unveräußerlich und unteilbar sind. Die Idee der Menschenrechte ist eng verbunden mit dem Humanismus und der im Zeitalter der Aufklärung entwickelten Idee des Naturrechtes, letztlich fußen sie auf den Zehn Geboten der Bibel. Gerechtigkeit, Freiheit, Menschenwürde, Gleichheit - so abstrakt diese Begriffe klingen, so konkret wirkt sich ihre Beachtung auf unser Leben aus.

Barbara Helige, Richterin und Präsidentin der österreichischen Liga für Menschenrechte, versucht anhand von Beispielen zu vermitteln, wie stark die Haltung jedes Menschen zu diesen Fragen sein Handeln und damit seine Umwelt beeinflusst.
Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer.

Menschenrechte eignen sich nicht nur für Sonntagsreden und internationale oder auch nationale Dokumente. Nein, auch ganz alltägliche Situationen sind geeignet die Menschenwürde zu verletzen, oder auf der anderen Seite zu zeigen, wie man Menschen Respekt erweist. Erst kürzlich musste ich hören, dass ein Straßenverkäufer der Zeitschrift Augustin, der bereits die längste Zeit seinen Stammplatz vor einer Supermarktfiliale hatte, von der Geschäftsleitung aufgefordert worden war, dort - auf privatem Grund - seinen Platz zu räumen. Kunden hätten sich durch seinen Anblick belästigt gefühlt. Rechtlich mag das in Ordnung gehen. Gleichzeitig fragte ich mich aber, als ich davon erfuhr: Ist das notwendig? Muss man jemandem, dem es im Leben sicher nicht gut gegangen ist, auch noch in dieser Form begegnen? Man muss nicht: Ich freute mich zu hören, dass sich, als sich das herumsprach, einige Kunden an den Filialleiter wandten. Sie betonten, keinerlei Einwand gegen den ihnen mittlerweile gut bekannten Mann zu hegen, sondern ihm gerne eine Zeitung abzukaufen. So sah sich die Geschäftsleitung schließlich veranlasst, die Anordnung zurückzunehmen. Was das für mich Bemerkenswerte an dieser an sich undramatischen Geschichte war: Die Menschen - in diesem Fall die Kunden - waren sichtlich toleranter, als die Geschäftsleitung ihnen zutraute. Nicht nur das, sie wurden auch aktiv. Sie hatten sehr wohl ein Gespür dafür, dass es hier auch um die Würde des Zeitungsverkäufers ging, was sie in adäquater Form ausdrückten. So wichtig Toleranz ist, noch wichtiger ist es, aktiv für die Menschen einzutreten.

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