Gedanken für den Tag

Von Walter Thirring. "Weltsichten, Irrwege und Wege des menschlichen Geistes". Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer

"Wir sind in diese Welt geworfen ohne gefragt zu werden, ob wir dies wollen". Mit so einer Aussage, die wohl kaum anzufechten ist, beginnt das Credo der Existentialphilosophie. Doch schon die Fortsetzung "und wir sind hier so alleine gelassen" sei fraglicher, meint der Physiker Walter Thirring und führt aus: "Soll das heißen, dass es im Universum keine weiteren Lebewesen gibt, so übersteigt dies unser Wissen. Es soll wohl eher heißen "von Gott keine Spur", was aber einer eingehenderen Diskussion bedarf. Aber sicher ist, dass wir auf unserer Reise ein wertvolles Geschenk, unseren Verstand, mitbekommen haben."

In den "Gedanken für den Tag" geht der österreichische Physiker der Frage nach, inwieweit dieser Verstand hilft, sich in dieser Welt zurechtzufinden.

Mit dem Tod des Pharao Echnaton wurde der von ihm eingeführte Eingottglaube wieder abgeschafft und der Monotheismus zur Häresie, die es auszumerzen galt. Aber so Ideen sind wie der Wind und lassen sich nicht einfangen, sondern tauchen woanders wieder auf. Insbesondere kleine Völker, die von den großen herumgeschubst, gefangen und versklavt wurden, hatten Grund, an der Macht ihrer Götter zu zweifeln. Da war der Monotheismus die Antwort: Wenn es nur einen Gott gibt haben die anderen auch keine besseren. So war die Botschaft der Genesis, die während der Babylonischen Gefangenschaft der Israeliten entstand, der wahre Gott ist Jahwe. Er hat die ganze Welt erschaffen und herrscht überall zwischen Jerusalem und Babylon. Diese Aussage wird durch die heutige Wissenschaft bestätigt, ja überbestätigt. Sie bringt das Bild, dass die Welt einem Gesetz folgend entstand und dieses Gesetz gilt über Milliarden von Lichtjahren des Kosmos, nicht nur zwischen Babylon und Jerusalem.

Die Genesis spiegelt die Erfahrung des einen Gottes, an den die Juden, Christen und Muslime glauben. Von ihm heißt es auch im 5. Buch Mose: "Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus dem Diensthause, geführt habe: Du sollst keine anderen Götter neben mir haben. Du sollst dir kein Bildnis, noch irgendein Gleichnis machen, weder dessen, was droben im Himmel, noch dessen, was unten auf Erden, noch dessen, was in den Wassern unter der Erde ist."

Service

Buch, Walter Thirring, "Lust am Forschen - Lebensweg und Begegnungen", Seifert-Verlag
Buch, Walter Thirring, "Kosmische Impressionen. Gottes Spuren in den Naturgesetzen", Seifert-Verlag
Buch, Johannes Huber und Walter Thirring, "Baupläne der Schöpfung. Hat die Welt einen Architekten?", Seifert-Verlag

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