Gedanken für den Tag

Von Michael Krassnitzer. "Der Beat des Herrn" - Zum 40. Todestag der Gospel-Sängerin Mahalia Jackson. Gestaltung: Alexandra Mantler-Felnhofer

Mahalia Jackson war die größte Gospel-Sängerin aller Zeiten. Ihre Interpretationen der Kirchenmusik des "schwarzen" Amerika waren ein Quell der Hoffnung für die Afroamerikaner und gehörten zum Soundtrack der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung. Berühmt wurde sie auch in Europa, wo ihr von der traditionellen Kirchenmusik meilenweit entfernter Gesang für einen neuen, lebendigen Zugang zum Glauben stand.

Nun jährt sich kurz nach ihrem 100. Geburtstag Mahalia Jacksons Todestag zum 40. Mal, aber ihre Musik und ihre Botschaft sind unsterblich. Sie wusste: "Die Seele des Menschen versteht die Sprache der Musik oft besser als das gesprochene Wort".

Ohne jeden Zweifel hätte Mahalia Jackson eine große Jazz-Sängerin werden können. Mit ihrer grandiosen Stimme hätte sie wohl in derselben Liga gespielt wie Ella Fitzgerald. Aber Mahalia Jackson, die Tochter eines Baptistenpredigers aus New Orleans, wollte zeitlebens nur Gospel singen. Als sie noch jung und unbekannt war, lehnte sie ein vielversprechendes Angebot von Louis Armstrong ab, in seiner Band zu singen. Sie hatte nichts gegen Jazz und populäre Musik. Privat sang sie zum Beispiel gern im Duett mit Ray Charles. Aber sie wollte nichts mit dem Showbusiness zu tun haben.

Mahalia Jackson hatte ihre Grundsätze. Sie setzte auch niemals einen Fuß in ein Kino oder ein Theater. Das kam so: Als sie 23 Jahre alt war, rang ihr Großvater nach einem Schlaganfall mit dem Tod. Tagelang betete sie für seine Gesundung. In ihrer Verzweiflung gelobte sie, auf etwas Weltliches zu verzichten, das ihr sehr viel bedeutete, nämlich Kino und Theater. Ihr Großvater wurde wieder gesund und Mahalia Jackson hielt sich an ihr Versprechen.

"Ich möchte nicht, dass irgendjemand mich missversteht", schrieb sie in ihrer Autobiographie: "Ich glaube nicht, dass es Sünde ist, wenn Menschen tanzen und singen und sich gut unterhalten. Ich gehe einfach nicht ins Theater, weil ich gelobt habe, ein Opfer zu bringen und dieses Gelübde halten will." Im Nachhinein war sie sogar froh, dass sie von da an nichts mehr von ihrer geliebten Gospelmusik ablenkte.

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