Tonspuren

Eine erdumwandelnde Frau. Die Reiseberichte der Ida Pfeiffer. Feature von Barbara Zeithammer

Im Jahr 1842 bricht Ida Pfeiffer - bis dahin Hausfrau und Mutter zweier Söhne - zu ihrer ersten großen Reise auf. Die Wienerin ist 44 Jahre alt, alleine unterwegs und erkundet - unter dem Vorwand, eine Brieffreundin zu besuchen - Jerusalem, den Libanon und Ägypten.

"Vergebens suchten meine Verwandten und Freunde, mich von diesem Vorsatz abzubringen", schreibt Ida Pfeiffer. Sie verwirklicht sich einen jahrelangen Traum; bis zu ihrem Tod 1858 wird sie beinahe die ganze Welt bereisen - Afrika, Süd- und Nordamerika, Indien, China. Sie ist mehrere Jahre durchgehend unterwegs und lernt "windgebildete" Kapitäne sowie "Kannibalen" auf Sumatra kennen, ekelt sich vor den kleinen Füßen der Chinesinnen und rettet sich mit einem Sonnenschirm gegen die Messerattacken eines Brasilianers.

Ihre Erlebnisse und Erfahrungen notiert Ida Pfeiffer detailliert in Briefen und in ihren Reisetagebüchern, die bereits zu ihren Lebzeiten in den Feuilletons der Presse und in Buchform erscheinen - allerdings erst ab der vierten Ausgabe unter ihrem Namen. Es sind Bestseller, die sie schreibt, und sie werden in mehrere Sprachen übersetzt.

Mit diesen Berichten sowie mit Präparaten von Pflanzen, Insekten und Vögeln, die sie Museen zum Kauf anbietet, finanziert sie ihre Reisen. Franz Grillparzer spricht von ihr als "die vortreffliche, kühne, erdumwandernde Frau Ida Pfeiffer", Alexander von Humboldt unterstützt ihre Vorhaben und verschafft ihr eine Audienz beim preußischen König, der festhält: "Sie haben Unglaubliches durchgesetzt."

In den vergangenen 15 Jahren wurden Ida Pfeiffers Reiseberichte wieder aufgelegt und die Wiener Ethnologin Gabriele Habinger hat ihre Briefe und Handschriften zusammengetragen und publiziert. Es sind spannende und amüsante Schilderungen von Entbehrungen und Abenteuern in einer Zeit lange vor dem Tourismus; es sind außergewöhnliche historische Dokumente, nicht wissenschaftlich sondern persönlich gefärbt - selbstkritisch und reflektiert, nicht selten auch ironisch.

Sendereihe