Betrifft: Geschichte

Die unschuldigen Hände. Pontius Pilatus. Mit Wolfgang Sotill, Theologe. Gestaltung: Martin Adel

Die Bekanntheit von Pontius Pilatus hängt wohl damit zusammen, dass über Jahrhunderte hin gestritten wurde, wie er zu beurteilen sei. In den Evangelien wird er eher positiv beurteilt. Immerhin versucht er ja, Jesus zumindest vor dem Todesurteil zu schützen. In den ersten Jahrhunderten danach galt er den Christen als Heiliger. Die Kopten ehrten ihn sogar als Märtyrer. Erst ab dem 4. Jahrhundert bezeichnete man ihn vermehrt als "Gottesmörder". Damit war die Diskussion aber noch keineswegs zu Ende, und mit den geflügelten Worten "die Hände in Unschuld waschen", "von Pontius zu Pilatus …" oder "Was ist Wahrheit?" beschreiben wir eher skeptische Weltsicht und vergebliches Bemühen, als Bösartigkeit und Grausamkeit.
Verständlicher wird diese changierende Bewertung, wenn wir die Person, auf die sie sich bezieht, als Symbolfigur im Wechselspiel von unterschiedlichen Konfessionen, Machtverhältnissen und Interessen lesen; was umso leichter geworden ist, als die historische Quellenlage zum Präfekten des Kaisers Tiberius in der Provinz Judäa äußerst dünn ist. Tatsache scheint zu sein, dass er immerhin 10 Jahre (von 26 bis 36 n. Chr.) dieses Amt - noch dazu in äußerst unruhigen Zeiten - innehatte. Der jüdisch-römische Geschichtsschreiber Josephus Flavius bezichtigt ihn dann auch, seiner harten Amtsführung wegen, einer anti-jüdischen Haltung. Kaum anzunehmen, dass ein anderer römischer Statthalter sanfter beurteilt worden wäre. Er war schließlich dort, um die römischen Interessen zu vertreten.
Objektiv kann man nur daraus schließen, dass Pontius Pilatus dem Ritterstand angehörte und seine Familie nicht ohne Einfluss und Beziehungen war. Aber schon bei den genauen Lebensdaten lassen gesicherte Angaben aus: Ein Rädchen in der Geschichte, das es aufgrund der Ereignisse zu weltgeschichtlicher Bekanntheit gebracht hat, nicht zuletzt mit Hilfe der abendländischen Kunst und Kultur - von der "Heiligen Treppe, Scala santa" in Rom bis zu Michail Bulgakows "Der Meister und Margarita".

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