matrix - computer & neue medien

1. "Nicht Füttern! Oder doch?" Ein Ausflug ins Trolluniversum
Gestaltung: Sarah Kriesche

2. Vom harmlosen Hobby zur digitalen Kontrolle
Life-Logging
Gestaltung: Marlene Nowotny

1. Längst ist der Begriff "Trolle" nicht mehr diversen Fabelwesen vorbehalten. Besonders in sozialen Netzwerken oder Foren verwenden Nutzer den Ausdruck "Troll", um Störenfriede zu benennen. Die Saboteure von konstruktiven Diskussionen, welche meist unter Pseudonymen durch die Weiten des Internets wandern, scheinen nur ein Ziel zu haben: Andere Nutzer durch unflätige Aussagen zu beleidigen, und sich daran zu ergötzen, wenn Diskussionen aus dem Ruder laufen.

Je mehr Gegenwehr, desto größer ihr Vergnügen. Konferenzen wie die "TrollCon", haben es sich zum Ziel gesetzt dem Phänomen "Troll" und seinen Facetten auf den Grund zu gehen. Denn, abseits düsterer Foren-Gefielde, können Trolle auch anders und sind durchaus positiv zu verstehen: Zum Beispiel im Bereich der Satire, oder indem sie - meist Personen des öffentlichen Lebens - gekonnt dazu bringen sich in ihren eigenen Aussagen zu verstricken und ihre Argumente praktisch selbst entkräften. Sarah Kriesche über eine hohe Kunstform, die leicht ins Auge gehen kann.


2. Alle 33 Sekunden soll ein sogenannter Picker, ein Lagerarbeiter beim Online-Kaufhaus "Amazon", ein Produkt aus dem Regal holen und für den Versand bereit legen. Wie die Einhaltung dieses Arbeitspensums überprüft werden kann? Die Mitarbeiter tragen GPS-Sensoren am Körper. So können die Wege, die ein Einzelner in den Lagerhallen zurücklegt, genau verfolgt werden.

Solche "Tracking-Systeme" kommen etwa auch bei Speditionen, Paketdiensten oder Taxi-Unternehmen zum Einsatz. Dank dieser Sensoren und mit Hilfe von statistischen Computerprogrammen sind Arbeitgeber heute in der Lage, die Effizienz ihrer Angestellten aus der Ferne zu messen und digital auszuwerten. Diese Art der Fremdvermessung fällt unter den Überbegriff "Life-Logging".

Auch bekanntere Bewegungen, wie die Anhänger des "Quantified-Self", die ihren Körper etwa beim Sport digital akribisch vermessen, oder weniger geläufige, wie die "Sousveillance-Bewegung", die sich und ihre Umwelt "überwachen", werden unter "Life-Logging" zusammengefasst.

Marlene Nowotny hat sich für "matrix" über Chancen und Risiken der digitalen Selbst- und Fremdvermessung informiert.

Service

Stefan Selke: "Lifelogging. Wie die digitale Selbstvermessung unsere Gesellschaft verändert" (Econ Verlag, 2014)

Stefan Selke

Raumzeitlabor
Studie "Trolls just want to have fun" (englisch)
Heise
Linus Neumann
Fefes Blog
Refefe

Sendereihe