Tonspuren

Metropolis. Der Roman. Der Film. Und die Geschichte einer Ehe. Feature von Peter Zimmermann

Vielleicht war Thea von Harbou das, was man einen eiskalten Engel nennt. Die Tochter eines Barons aus dem Oberfränkischen, die mit sechzehn Jahren ihren ersten Roman veröffentlicht hat, gehört schon vor dem Ersten Weltkrieg zu jenen Autorinnen, die von den Medien als selbständige und selbstbestimmte - und damit nicht ganz ungefährliche - Frauen wahrgenommen wurden.

Nach Kriegsende wird sie in Berlin zur vielbeschäftigen Drehbuchautorin. Sie lernt den aus Wien stammenden Regisseur Fritz Lang kennen, beide pflegen nicht nur den glamourösen Auftritt und heiraten 1922, sondern bilden einige Jahre lang das Energiezentrum der deutschen Filmindustrie: Der müde Tod, Die Nibelungen, Das Testament des Dr. Mabuse, M - eine Stadt sucht einen Mörder oder Metropolis zählen bis heute zu den nachhaltigsten Filmen der Geschichte. Gerade Metropolis, die Verfilmung des gleichnamigen Romans Thea von Harbous, begründete ein ganzes Genre, den Science-Fiction-Film, steht aber auch für die Hybris seiner Macher: die Botschaft von der Inhumanität der Diktatur des Kapitals als finanzielle, technische und ästhetische Grenzüberschreitung.

Der Film fiel bei Publikum und Kritik durch. Ein Debakel für die Produzenten. Auch die Ehe Von Harbou/Lang scheiterte. Er ging 1933 ins Exil in die USA, sie blieb in Deutschland, wurde Mitglied der NSDAP und schrieb Propagandafilme, was ihren Ruf nachhaltig beschädigte. Fritz Lang und Thea von Harbou sind einander nach der Trennung nie wieder begegnet.

Sendereihe