Radiodoktor - Medizin und Gesundheit

Die neuen Cholesterinsenker kommen

Seit einigen Monaten gibt es für die Kardiologen und Stoffwechselexpertinnen weltweit kaum noch ein anderes Thema. Die ersten beiden Substanzen aus der Gruppe der PCSK9-Hemmer (Evolocumab und Alirocumab) wurden bzw. werden demnächst zugelassen. Diese Medikamente sind in der Lage das "böse" LDL-Cholesterin in bisher nicht vorstellbarem Umfang zu senken. Als ideal gelten für Menschen ohne Risikoprofil Werte unter 130 mg/dl. Der LDL-Durchschnittswert der Testpersonen nach einem Jahr Therapie lag unter 50 mg/dl - eine "historisch niedrige Bestleistung". Manche Experten gehen davon aus, dass bei derart geringen LDL-Konzentrationen keine Gefäßverschlüsse durch Atherosklerose zu erwarten sind. Wurde also der "kardiologische Stein der Weisen" entdeckt?
Doch zurück zum Anfang der Ereignisse .
2003 wurden bei zwei Familien in Frankreich, die unter einer erblichen Form der Hypercholesterinämie leiden, genetische Auffälligkeiten gefunden: Das PCSK9-Gen auf Chromosom 1 wies Mutationen auf.
Das führt dazu, dass die davon betroffenen Personen von Kindheit an extrem hohe Cholesterinspiegel haben und Herzinfarkte bereits in sehr jungen Jahren zu befürchten sind. Für diese Menschen gab es bislang kaum effiziente medizinische Unterstützung. Die bislang zur Verfügung stehenden Medikamente waren in der Regel nicht potent genug. Dann gibt es noch die belastende und aufwändige Entfernung der gefährlichen LDL-Partikel mittels Blutwäsche.
Nach der Entdeckung des PCSK9-Gens wurde sofort intensiv nach den genauen Zusammenhängen geforscht. Und die sind wirklich tricky!
Das Protein PCSK9 (Proprotein Convertase Subtilisin-Kexin Typ 9) behindert die Leber dabei, LDL-Partikel aus dem Blut zu "fischen". Wird nun dieses Protein durch Antikörper "unschädlich" gemacht, kann die Leber wesentlich größere Mengen LDL aus dem Blut entfernen!
Soweit der eine Teil der Geschichte - nun der andere.
Es gibt noch keine eindeutigen Studien zu der Frage, ob die cholesterinsenkende Wirkung dieser Substanzen auch tatsächlich zu einer Reduktion von Herzinfarkt und Schlaganfall führen wird. Außerdem ist diese Therapie - wie zu erwarten - nicht gerade billig. Bis zu 15.000 Euro jährlich könnten pro Patient/in anfallen. Da stellt sich die Frage nach einer eindeutigen Nutzen/Nebenwirkungen/mögliche Alternativen-Relation nochmal sehr deutlich. Die Substanzen werden einmal alle 14 Tage, bzw. einmal monatlich unter die Haut injiziert.
Für jene Familien mit der vererbten Form der Hypercholesterinämie sind die neuen PCSK9-Hemmer wahrscheinlich ein Meilenstein.
Ob die gesamte Menschheit aufatmen kann, werden die kommenden Jahre weisen.
Am Samstag, 10.10.2015, fand in Wien eine Fortbildung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft zu diesen Entwicklungen statt.
Diesmal informieren Sie Univ.-Prof. Dr. Manfred Götz und seine Gäste über Sackgassen und neue Entwicklungen im Bereich der Lipidsenkung.

Eine Sendung von Dr. Christoph Leprich.

Service

Prim. Univ.-Prof Dr. Kurt Huber
Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Intensivmedizin, Leiter der 3. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie am Wilhelminenspital in Wien
Montleartstraße 38
A-1160 Wien
Tel.:+43/1/49150/2301
E-Mail
3. med. Abteilung mit Kardiologie

Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Ludvik
Facharzt für Innere Medizin, Endokrinologie und Stoffwechselerkrankungen
Leiter der 1. Medizinischen Abteilung mit Diabetologie, Endokrinologie und Nephrologie an der Krankenanstalt Rudolfstiftung
Juchgasse 25
A-1030 Wien
Tel.: +43/1/71165/2107
E-Mail
Bernhard Ludvik

Österreichische Kardiologische Gesellschaft
Programm der Fortbildung
Selbsthilfegruppe Familiäre Hypercholesterinämie
Was ist Familiäre Hypercholesterinämie?
Springer Innere Medizin: Übersichtsartikel zur Lipidsenkung
Artikel über die neuen PCSK9-Hemmer

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