Dimensionen - die Welt der Wissenschaft

Bindungstraumatisierung. Emotionale und körperliche Verletzungen durch Beziehungspersonen. Gestaltung: Johann Kneihs

Missbrauch und Gewalt finden häufig in vertrautem Umfeld statt. In der Mehrzahl der Fälle werden sie durch Personen erfahren, die den Opfern nahestehen: Eltern und andere Verwandte, Erzieher/innen, Lehrer/innen, aber bei älteren Menschen auch Pfleger/innen bzw. pflegende oder betreuende Kinder.
Je enger die Beziehung, desto gravierender die Folgen - wenn gerade die Menschen, bei denen Schutz und Sicherheit gesucht wird, körperliche und seelische Verletzungen verursachen. Eine häufige Erscheinung ist Dissoziation, die Abspaltung des traumatischen Erlebens oder einzelner Aspekte davon; eine andere Folge kann die pathologische Bindung des Opfers an den/die (idealisierte/n) Täter oder Täterin sein. Sehr wahrscheinlich sind andere, spätere Bindungen beeinträchtigt, umso früher im Leben, desto genereller und nachhaltiger.
Nicht nur die Erfahrung von Gewalt und Missbrauch am eigenen Leib kann traumatisierend wirken, sondern auch sogenannte häusliche Gewalt zwischen den Eltern bzw. erziehenden Personen. In der therapeutischen und pädagogischen Arbeit geht es unter anderem darum, den Aufbau stabiler Bindungen mit (neuen) Bindungspersonen zu unterstützen. Ausreichende, anhaltende Sicherheit ist eine der Voraussetzungen dafür, dass traumatische und abgespaltene Erfahrungen integriert werden können und sich verschiedene psychische und Gesundheits-Störungen verringern. Aktuelle Erkenntnisse und Konzepte zur Begleitung, Beratung und Therapie wie auch, wo immer möglich, Prävention von Bindungstraumatisierungen standen im Mittelpunkt der 14. Internationalen Bindungskonferenz von 9. bis 11. Oktober an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Service

Internationale Bindungskonferenz München 2015

Literatur-Tipps:

Elke Garbe, „Das kindliche Entwicklungstrauma, Verstehen und Bewältigen“. Mit einem Vorwort von Karl-Heinz Brisch. Klett-Cotta Verlag 2015

Silke Birgitta Gahleitner, "Das Therapeutische Milieu in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Trauma- und Beziehungsarbeit in stationären Einrichtungen", Psychiatrie-Verlag Bonn 2011

Daniel A. Hughes, "Attachment Based Family Therapy", Norton & Company 2011

Valerie Sinason, "Trauma, Dissociation and Multiplicity: Working on Identity and Selves". Routledge 2011

Thomas Görgen (Hrsg.), Sicherer Hafen oder gefahrvolle Zone? Kriminalitäts-und Gewalterfahrungen im Leben alter Menschen. Verlag für Polizeiwissenschaft 2010

Forschungsbericht zum Projekt Daphne - Together Against Violence

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