Georg Stefan Troller: Kindheit im Wiener "Fetz'nviertel"

Ein vertriebener Schriftsteller und seine Erinnerungen

Nicht als Besatzer, sondern als einer, der an "Heimatsehnsucht" litt, kehrte Georg Stefan Troller in der Uniform der US-amerikanischen Armee im November 1945 nach Wien zurück. Fast auf den Tag genau sieben Jahre sind es, seit er nach den Novemberpogromen 1938 aus seiner Heimatstadt über die Tschechoslowakei und Frankreich in die Vereinigten Staaten geflüchtet war, wo er als 22-jähriger für den Krieg in Europa rekrutiert wird.
Georg Stefan Troller wird 1921 als zweiter Sohn einer jüdischen Pelzhändlerfamilie im ersten Wiener Gemeindebezirk geboren. Mit seinem zweieinhalb Jahre älteren Bruder verlebt er hier seine frühe Kindheit am Rudolfsplatz an den Ausläufern des so genannten Textilviertels, im Volksmund auch als das "Fetz'nviertel bekannt.
Lebhaft und gerne erinnert sich Georg Stefan Troller etwa an das "Anmäuerln". Ein Geschicklichkeitsspiel, bei dem es gilt, Murmeln, Münzen oder Kronenkorken so nahe wie möglich an eine Wand zu werfen. Ein Spiel, in dem sich die Kinder aus allen sozialen Schichten am Rudolfsplatz messen. Troller, heute höchst erfolgreich als Schriftsteller, Journalist und Filmemacher, erinnert sich aber auch an den grassierenden Antisemitismus im Wien der 1920er Jahre, mit dem er schon als kleines Kind im Vorschulalter konfrontiert wird, und den er bis zu seiner Flucht im Jahr 1938 in allen seinen Facetten kennen lernen muss.- Gestaltung: Roman Tschiedl

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