Museumsdepot der Meisterwerke

Der Ö1 Kunstsonntag begibt sich in die Tiefen des ORF-Hörfunk-Archivs und verwandelt sich in ein radiophones Schaulager. Viereinhalb Stunden dauert der Rundgang durchs Depot des Ö1 Museums der Meisterwerke, das bereits seit August auf Österreich1 geöffnet ist und anlässlich des runden Sendergeburtstags besonders aufregende, kontroversielle, schöne Sendungen wiederholt. In Programme, die lange nicht mehr on air sind, hören wir in diesem Ö1 Kunstsonntag, dem letzten vor dem großen Senderjubiläum, hinein.

Im zweiten Teil des Ö1 Kunstsonntags "Museumsdepot der Meisterwerke" lassen wir es zunächst ordentlich krachen mit Ernst Waldbrunn und anderen Satirikern im "Watschenmann" aus 1967, dem Gründungsjahr von Radio Österreich1, um dann Axel Cortis tiefgründige Überlegungen zum Thema Macht und Schattenmacht zu hören. Unvergessen ist seine Stimme und die atmosphärische, fast konspirative Tonart seines Radiovortrags, ebenso wie die Kennmelodie der Sendung "Schalldämpfer", komponiert von Bert Breit.

Eine Sendung, die sich vielen Hörerinnen und Hörern weniger angenehm in die Gehörgänge schmiegte als Axel Cortis sonore Stimme, war das aufrührerische Satireformat "Welt Ahoi", gestaltet von Martin Puntigam, Maria Hofstätter, Roman Palfrader, Hosea Ratschiller und Thomas Maurer. Mit dem seit 1978 ausgestrahlten Radiokabarett "Gugelhupf" - eine Ausgabe davon ist am heutigen Tag, den 24.9.2017, im "Contra" zu hören - teilte "Welt Ahoi" allenfalls den Sendeplatz am Sonntag in der Früh; das Publikum war vom Generationenwechsel der Spaßmacher auf Ö1 empört. Der Ansturm der Protestanrufe nach der Erstsendung im November 2009 soll die ORF-Server lahmgelegt haben. Rund ein Jahr später wurde das Experiment "Welt Ahoi" schon wieder beendet. Und damit auch das über Jahrzehnte gewachsene Genre Radiosatire auf Ö1.

Ein kultivierter Stil der Berichterstattung war für Heinz Fischer Karwin und seine Sendung "Aus Burg und Oper" charakteristisch. Exemplarisch wird im Ö1 Kunstsonntag die Ausgabe vom 5. Dezember 1971 gespielt. Aus dem Inhaltsverzeichnis: "Walter Reyer probt den Helmer in Ibsens Nora/Heinz Conrads studiert den 'Frosch' für die Sylvesteraufführung/Horst Stein dirigiert die Fledermaus, eine Episode mit diesem". Sic.

In ihrer Radiosendung über bildende Kunst mit dem Titel "Kunst heute" richtete Heidi Grundmann 1977 eine Rubrik für akustische Kunst ein - ein Vorläufer des 1987 gestarteten Kunstradios. Gleich in der ersten Folge von "Kunst zum Hören" gab es ein Werk, das obwohl es verstörend war unerwartet positive Reaktionen der Hörer und Hörerinnen hervorrief: "The Labyrinth Scored for 11 Different Cats" des amerikanischen Künstlers Terry Fox, eine Abfolge von Aufnahmen von schnurrenden Katzen, die sich an dem berühmten Labyrinth in der Kathedrale von Chartres orientierte.

Service

Ö1 Kunstradio

Sendereihe

Gestaltung

  • Anna Soucek