Robert Pfaller

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Der Philosoph Robert Pfaller über die "kranke Seele" der Gesellschaft

Der Philosoph Robert Pfaller im Porträt
Von Sabrina Adlbrecht

"Der Philosoph behandelt eine Frage wie eine Krankheit" - diesem Diktum Ludwig Wittgensteins folgt Robert Pfaller konsequent. Wie ein Arzt kümmert sich der österreichische Philosoph um die Leidenden unter den Zeitgenossen. Und Pfallers Gegenwartsdiagnose klingt ernüchternd: Die von neoliberalem Denken geprägte westliche Gesellschaft sei, im Gegensatz zu ihrem Selbstbild, von Lustvermeidung und "maßloser Mäßigung" geprägt.

Angeleitet, ganz "wir selbst", also "authentisch" zu sein, dulden wir mittlerweile nichts mehr, was nicht konform zu unserem eigenen Ich ist. All das Spielerische im zwischenmenschlichen Umgang sei verdrängt worden zugunsten eines narzisstischen Rückzugs ins Private. Die Folgen: Entsolidarisierung und der Verfall gesellschaftlicher Umgangsformen.

Dazu zähle auch die aus den USA importierte zunehmende Sexualfeindlichkeit, die nicht nur belästigende und missbräuchliche Formen, sondern jegliche erotische Form des Umgangs aus dem öffentlichen Leben verbannen will. Weshalb der Ruf nach Regeln und Verboten immer lauter und der Staat nur noch als Verbotsinstanz betrachtet würde. Und diese Entwicklungen spiegeln sich laut Pfaller auch in einer Infantilisierung der Sprache wider.

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