Die Keimwelt innerhalb unserer Lunge

1. Spektakuläre Entdeckung - Das Mikrobiom der Lunge
2. Poker und Slots im WWW - Wie Jugendliche in die Spielsucht schlittern

1. Spektakuläre Entdeckung - das Mikrobiom der Lunge

Die Mikrobiom-Forschung hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Boom erlebt. Unter einem Mikrobiom versteht man die Gesamtheit der zig Billionen Bakterien, Viren, Pilzen und anderen Mikroorganismen, die auf und in unserem Körper existieren. Am intensivsten wird derzeit die Darmflora beforscht. Hier leben hunderte verschiedene Bakterienstämme - geraten sie in Dysbalance, kann das zu Darmerkrankungen, Diabetes oder Adipositas führen. Sogar Depressionen oder Autismus werden damit in Zusammenhang gebracht. Bakterien wirken aber nicht nur im Darm. Ihre Stoffwechselprodukte beeinflussen das Immunsystem, die Knochen, das Herz oder das Gehirn, so die derzeit gängigen Hypothesen.
Bis noch vor nicht allzu langer Zeit war die Medizin fest davon überzeugt, dass eine gesunde Lunge keimfrei ist. So stand es in allen Lehrbüchern der Lungenheilkunde.
Mittlerweile geht man davon aus, dass mindestens 128 verschiedene Bakterien sich auch in einer gesunden Lunge aufhalten können. Diese Besiedelung ist aber meist nur vorübergehend.
Diese Erkenntnisse gelangen durch moderne Sequenzierungsanalyseverfahren, die nach typischen DNA-Abschnitten eines Keimes suchen und damit die schwierige Züchtung auf Nährböden nicht mehr nötig ist.
Das derzeitige Ziel der Forschung ist es, chronische Lungenerkrankungen wie cystische Fibrose und COPD besser zu verstehen. Bei Personen mit cystischer Fibrose bildet sich aufgrund eines Gendefektes zäher Schleim in der Lunge, der die Atmung beeinträchtigt. COPD-Betroffene leiden ebenfalls unter Atemnot, Verschleimung und Husten.
Bei beiden Erkrankungen kann es zu schweren plötzlichen Verschlechterungen kommen. Nun versucht die Forschung zu entschlüsseln, ob und wie die Keimwelt in der Lunge diese Attacken beeinflusst. Denn bei manchen Personen mit chronischen Lungenerkrankungen bewirkt dieses Mikrobiom keine Krankheitssymptome - bei anderen derart heftige, dass sofort medizinische Hilfe nötig ist.
Die Systembiologin Dr.in Stefanie Widder ist am Ce-M-M, dem Forschungszentrum für Molekulare Medizin der österreichischen Akademie der Wissenschaften, tätig. Sie arbeitet allerdings nicht experimentell im Labor, sondern theoretisch am Computer.
Ein Beitrag von Uschi Mürling-Darrer.

2. Poker und Slots im WWW - wie Jugendliche in die Spielsucht schlittern

Erst am Montag berichtete der ORF: Rund 60.000 "Zocker" sind in den heimischen Casinos derzeit gesperrt. Das betrifft nur Erwachsene, doch laut Studien haben etwa 50 Prozent bereits vor dem 18. Lebensjahr zu Spielen begonnen. Das Problem dabei: Glücksspielsucht ist eine heimliche Sucht, die man nicht sieht. Bei den offiziellen Anbietern in Österreich ist das "gamblen" erst ab 18 Jahren erlaubt, im Internet nimmt man es mit der Altersgrenze aber nicht ganz so genau. Studien bestätigen mittlerweile, dass Glücksspiele und Wetten zum Alltag der Jugendlichen dazugehören. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Heranwachsenden Internet-affiner sind als ihre Eltern, Pokertische und Slotmachines dort sieben Tage die Woche, rund um die Uhr geöffnet haben und so genanntes "simuliertes" Glücksspiel eine schnelle Einstiegsdroge darstellt. Ein Beitrag von Andreas Maurer.

Redaktion: Dr. Christoph Leprich und Mag.a Nora Kirchschlager

Service

1. Infos Mikrobiom der Lunge:

Dr. Stefanie Widder, Elise Richter Fellow, Knapp-Lab, CeMM, Meduni Wien

Neues Forschungsnetzwerk für Mikrobiomforschung
Österr. Lungenunion
Interaktionen zwischen Mikrobiom und Lunge tragen zum klinischen Phänotyp bei
SAW Lungenmikrobiom-Studie

2. Infos Glücksspiele im Internet:

Dr. Tobias Hayer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Psychologie und Kognitionsforschung der Uni Bremen
Mag.a Caroline Culen, Klinische und Gesundheitspsychologin und fachliche Leiterin der österreichischen Liga für Kinder- und Jugendgesundheit

Spielsuchthilfe
Selbsthilfegruppe Anonyme Spieler
Jugendschutz - Spiele mit Verantwortung
Pathologisches Glücksspiel (BMGF)
Studie: Jugend und (Online-)Glücksspiel in Österreich (Saferinternet 2014)
Jugend und (Online-)Glücksspiel (Jugendkultur 2014)
Glücksspielsucht in Zahlen (Institut Glücksspiel und Abhängigkeit 2016)
Jugendliche und glücksspielbezogene Probleme. Risikobedingungen, Entwicklungsmodelle und Implikationen für präventive Handlungsstrategien (2012)
Simuliertes Glücksspiel: Analyse und Synthese empirischer Literaturbefunde zu Spielen in
internetbasierten sozialen Netzwerken, in Form von Demoversionen sowie Computer- und
Videospielen (Zeitschrift für Gesundheitspsychologie 2015)


Astrid Müller/ Klaus Wölfling/Kai. W. Müller, "Verhaltenssüchte - Pathologisches Kaufen,
Spielsucht und Internetsucht", Fortschritte der Psychotherapie 2018

Gerhard Meyer, Meinholf Bachmann, "Spielsucht: Ursachen, Therapie und Prävention von
glücksspielbezogenem Suchtverhalten", 2017

Norbert Blaichinger, "Hölle Spielsucht: Süchtige erzählen" (2016)

Sendereihe