Jürgen Kaizik

ORF/URSULA BURKERT

Der Autor Jürgen Kaizik über die Folgen von 1968 (Jahr der Zeitgeschichte)

Was blieb? Der Autor, Regisseur und Theatergründer Jürgen Kaizik über den Idealismus der 68er und was daraus geworden ist
Gestaltung: Ursula Burkert

"Räuber und Räuberinnen" stehen heuer im Zentrum der Theaterarbeit von Jürgen Kaizik in der Blackbox, die in ihrem 2. Jahrzehnt auch an einen neuen Spielort übersiedelt, nämlich ins Amphitheater des Projektes Berta auf der Obertressen in Bad Aussee. Jürgen Kaizik wirft im Jahr der Zeitgeschichte einen Blick in die Vergangenheit, der über die Gegenwart Aufschluss gibt. Was hat das Jahr 1968 bewirkt, welche Utopien wurden entworfen, welche haben sich zerschlagen.

Jürgen Kaizik: "Wenn man die unzähligen Artikel in der Presse etc. betrachtet, dann hat das Jahr 1968 fünfzig Jahre später eine eher schlechte Nachrede. Warum? Man engt es ein auf Sex, Drogen und Drugs, auf die Wiege der Gewalt der RAF, auf ergebnislose politische Forderungen. Aber war 68 nicht vielmehr das erste (und bis heute letzte) Mal, dass in der Moderne der Blick auf ein Ganzes hin gewagt wurde? Männer und Frauen nicht als Gegensätze, sondern als die zwei Antriebssätze für das Projekt "Mensch"! Wissenschaft und Natur als zwei Seiten unseres Lebens. Gerechtigkeit und Freiheit als die beiden Pole des Fortschritts".

Es sind die gesellschaftlichen wie künstlerischen Utopien, die Jürgen Kaizik seit Jahren beschäftigen. Daher kommt auch seine intensive Auseinandersetzung mit Robert Musils Hauptwerk "Der Mann ohne Eigenschaften", dem er ein Theaterstück widmete. Mehrere Bücher wie" Im Schatten Hölderlins", "Die Zukunft der Gottesanbeterin", "Musils Mörder" und "Liber Gott" folgten.

Die Blackbox in Bad Aussee ist der Versuch, weiteren künstlerischen Utopien Raum zu geben. Jeweils im Sommer bietet die Blackbox nicht nur inhaltlich anspruchsvolles Theater, sondern auch ein kulturelles und ästhetisches Prinzip. Die Blackbox ist jener Raum, in dem "Schrödingers Katze" zugleich tot und lebendig ist. Was in der physikalischen Welt ein unvorstellbares und dabei exakt beschreibbares Paradox ist, erscheint im Leben der Gesellschaft als Normalzustand: von der Kultur, auf die sie sich andauernd beruft, weiß niemand mehr, ob und wie sie lebt. Man muss die Schachtel öffnen und hineinschauen.

Im Sommer 2018 bringt Jürgen Kaizik seine Version der Räuber von Friedrich Schiller auf die Bühne. Er meint: "In der Zeit nach 1968 wurden Schillers "Räuber" zu einem der meist gespielten und diskutierten Zeitstücke. Die jugendliche Revolte der 68er (aus der später auch der bewaffnete Kampf gegen den "Westen" als Ganzes wurde) erkannte sich in dem beinahe zweihundert Jahre alten Stück gerne wieder. Aus der damaligen "klammheimlichen Sympathie" (Originalzitat 1977!) für den Terrorismus ist heute Angst und Abscheu geworden.
Was hat sich verändert? Ist Terror nicht gleich Terror? Auch die Feindbilder sind andere geworden. Autoritäre Führer an den Spitzen mancher Staaten funktionieren heute anders. Sie tragen keine Masken mehr. Aber warum und - wie sie bekämpfen?"

Service

Blackbox
13.07.2018 Premiere / BLUATSCHWITZBLACKBOX. Die Räuber von Friedrich Schiller

Bücher von Jürgen Kaizik:
"Liber Gott. Das Buch der 24 Philosophen" ( stimmt so!) Verlag Braumüller
"Musils Mörder" Braumüller Verlag
"Die Zukunft der Gottesanbeterin" Braumüller Verlag
"Die Schatten Hölderlins" Braumüller Verlag

Sendereihe

Gestaltung

Übersicht

Playlist

Komponist/Komponistin: Matthias Klissenbauer
Titel: Nachtleben/instr.
Ausführende: Bratfisch /Instrumental
Länge: 03:27 min
Label: fischfabrik 2010

Komponist/Komponistin: Tracy Chapman
Titel: Talkin' bout a Revolution
Ausführende: Playing for Change /Gesang m.Begl.
Ausführender/Ausführende: Mermans Kenkosenki /Gesang
Ausführender/Ausführende: Jason Tamba /Gesang, Gitarre
Ausführender/Ausführende: Tshotsho Fikisi /Congas
Länge: 03:46 min
Label: Hear Music/Universal 72311305

Komponist/Komponistin: Eva Jantschitsch
Titel: We shall overcome
Ausführende: Aber Das Leben Lebt /Gesang m.Begl.
Solist/Solistin: Sweet William Van Ghost /Gesang m.Begl.
Länge: 04:32 min
Label: Sony Music 88697531072 (2 CD)

Komponist/Komponistin: Sigi Maron
Komponist/Komponistin: Fritz Nußböck
Titel: Utopia
Solist/Solistin: Sigi Maron /Gesang m.Begl.
Länge: 05:20 min
Label: Ariola 354508

Komponist/Komponistin: Lotzow
Komponist/Komponistin: Müller
Komponist/Komponistin: Zank
Titel: Solidarität
Ausführende: Tocotronic
Länge: 03:47 min
Label: Vertigo/Universal

Komponist/Komponistin: John Michael Dawa
Komponist/Komponistin: Barbara Wiesinger
Komponist/Komponistin: Norbert Kroll
Komponist/Komponistin: Laura Pudelek
Album: This Should Work
Ausführende: Dawa
Länge: 04:42 min
Label: Las Vegas

Komponist/Komponistin: Andi Haller
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Florian Flicker
Textdichter/Textdichterin, Textquelle: Michael Sturminger
* 23. Intro - Titelmusik/instr. (00:01:10)
Ausführende: Lonesome Andi Haller Band /Instrumental
Solist/Solistin: Birgit Doll /Vocalise
Länge: 01:11 min
Label: X-Ter Kyu 03

Komponist/Komponistin: Georg Danzer
Titel: Die Freiheit
Solist/Solistin: Georg Danzer
Länge: 02:27 min
Label: Universal 600753363447

Komponist/Komponistin: Tino Klissenbauer
Titel: Freilich/instr.
Ausführende: Bratfisch /Instrumental
Länge: 03:04 min
Label: Fischfabrik 2013

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