Radiokolleg - Der Ökonom der Innovation

Joseph Schumpeter und die schöpferische Zerstörung (4). Gestaltung: Richard Brem

An großen Ambitionen hat es Joseph Schumpeter zeitlebens nicht gemangelt: "Schon früh hatte ich drei Ziele: der größte Ökonom der Welt, der größte Reiter Österreichs und der beste Liebhaber Wiens zu werden", pflegte er Gesprächspartnern gegenüber gerne zu bemerken. Um dann die Pointe nachzureichen: "Mit den Pferden hat es allerdings nicht so gut geklappt".

Ob Schumpeter sein Ziel, der größte Ökonom der Welt zu werden, auch wirklich erreicht hat, ist umstritten. In jedem Fall ist er der Ökonom mit der schillerndsten Biographie. Er war der jüngste Universitätsprofessor und auch der jüngste Finanzminister Österreichs - der von diesem Amt allerdings auch bald wieder zurücktreten musste. Im Anschluss daran gründete Schumpeter, der das Leben eines Dandys, Frauenhelden und Provokateurs führte, eine Bank, mit der er zunächst ein Vermögen verdiente und die er schließlich in den Konkurs führte. Die Stationen seines abenteuerlichen Lebens führten ihn über Graz, Wien, Czernowitz, London, Kairo und Bonn letztlich nach Harvard, wo er mit seinen Lehrveranstaltungen und Büchern die Wirtschaftswissenschaften entscheidend mitprägte.

Dennoch geriet der 1950 verstorbene Schumpeter als Ökonom in den vergangenen Jahrzehnten etwas ins Hintertreffen und in den Schatten der Kontroverse zwischen der Wirtschaftsphilosophie von Keynes auf der einen und der von Hayek auf der anderen Seite. Erst mit dem Aufkommen von Internet und digitaler Ökonomie hat Schumpeters Werk eine Renaissance erfahren. Seine zentrale Erkenntnis: dass sich der Kapitalismus durch neue Produkte und Technologien und einen durch sie angetriebenen Prozess der "schöpferischen Zerstörung" ständig neu erfindet und dass dabei nicht so sehr der Kapitalist, sondern der findige Entrepreneur eine Schlüsselrolle spielt, hat seit Bill Gates, Steve Jobs und Elon Musk neue Aktualität bekommen.

Richard Brem zeichnet den Lebensweg und das Lebenswerk des Ausnahme-Ökonomen nach und geht auch der Frage nach, wie lebendig Schumpeters Ideen heute in seinem Heimatland Österreich sind.

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