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ERIC LEONARSDON

Moving Between Two Or More Places von Eric Leonardson

"Moving Between Two Or More Places" des US amerikanischen Radiokünstlers und Komponisten Eric Leonardson

In seiner neuen Radiokunstarbeit für das Ö1 Kunstradio reflektiert Eric Leonardson die Vielfalt der akustischer Kommunikation, die er in urbanen und suburbanen Klanglandschaften hört, aber auch selbst erzeugt. Seine Reisen und Aufenthalte in Chicago, Österreich und Deutschland des laufenden Jahres dienten sowohl als Thema, als auch als Klangquellen. Diese Töne und Geräusche wurden mit einfachen mobilen und selbstgebauten elektronischen Geräten generiert, es kommen aber auch Feldaufnahmen und mit Hilfe von Computerprogrammen stark manipulierte Klänge vor.

Einen Monat verbrachte Leonardson heuer im Sommer im Rahmen des artist-in-residence Programms AIR Krems und machte anschließend eine Woche lang Aufnahmen in Augsburg. Er experimentierte Anfang des Jahres bei der Ragdale Künstlergesellschaft in der Nähe von Chicago mit realen - zum Beispiel auch mit einem Klavier - und digitalen Materialien. Prominent kommen die Aufnahmen einer öffentlichen Veranstaltung, vorbeifahrende Züge in Wien, ein Feuerwerk in Krems und seine Experimente mit Stimme, Induktionsspulen und elektromagnetischen Feldern, sowie einem selbstgebauten lichtgesteuerten Oszillator vor.

Außerdem machte er Aufnahmen von seinem Kehlkopf, der mit Hilfe von einem Piezoelektrischen Sensor in Schwingung versetzt wurde, sowie Aufnahmen seines verstärkten Schreibstiftes, der die Bewegungen des Schreibens hörbarer machte. Der versehentliche Anruf einer Freundin, während sie in einem gleichmäßigen Rhythmus von 120 bpm (bits per minute) ging, stellt ein rhythmisches, geräuschvolles und witziges Artefakt der alltäglichen Erfahrungen mit der Mobilität und der drahtlosen Übertragung dar.

Einige der verwendeten Geräusche verbergen ihre Herkunft, sobald sie aufgenommen wurden. Der Leerlauf des Bootsmotors auf der Donau könnte auch eine tiefe Note auf einem Kontrabass sein. Eine ungewohnte Hörperspektive bietet eine Aufnahme an in der kalter Prärie-Winterwind durch getrocknete Kletten bläst, während in der Ferne ein Zug zu hören ist. Solche Extreme von fernen und nahen Tönen, aufgezeichnet im selben Moment, lassen diese künstlich erscheinen.

Zwei unterschiedliche Sommeraußenaufnahmen kommen ebenfalls vor. Zurzeit kommen in Chicago verschiedene Zikaden vor deren Zirben sehr ähnlich wie Stromumspanner und Leonardsons digitale Prozesse klingen. Dieses Zirben mischt sich mit Flugverkehr, der Richtung O'Hare - dem internationalen Flughafen von Chicago unterwegs ist. Beide Geräusche sind unausweichlich, allerdings werden die Zirkaden für heuer schon bald nicht mehr sein.

Während der Künstler mit seinen Oszillatoren in Augsburg arbeitete, drangen von aussen die dominanten Geräusche der Autos, Straßenbahnen und Rasenmäher, die sich mit seiner Klangmaschinerie harmonisierten. Am Ende von
"Moving Between Two Or More Places" ist Leonarsdens neu gebautes Instrument von zu hören: eine Violine aus Schaschlikspießen ...

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