Kurt Remele über Thomas Merton und Karl Barth

"Der Mönch, der Theologe und das göttliche Kind". Zum 50. Todestag von Thomas Merton und Karl Barth möchte Kurt Remele, der Ethik und christliche Gesellschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz lehrt, zwei "Giganten" des christlichen Glaubens im 20. Jahrhundert nahebringen und die beiden in Beziehung zueinander setzen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

"Karl Barth hatte einen Traum über Mozart": Mit diesem Satz beginnt die Auswahl von Tagebuchaufzeichnungen Thomas Mertons, die 1966 unter dem kryptischen Titel "Conjectures of a Guilty Bystander", Mutmaßungen eines schuldigbewussten Zuschauers, erschienen ist. Der US-amerikanische Trappistenmönch Thomas Merton schildert, wie der calvinistisch-reformierte Schweizer Theologieprofessor Karl Barth davon träumte, er habe Mozart im Fach dogmatische Theologie zu prüfen. Barth bemühte sich, das Examen so wohlwollend wie möglich zu gestalten und stellte deshalb nur Fragen zu Mozarts Messen. Mozart jedoch blieb stumm, er weigerte sich zu antworten.

Merton bekennt, dass ihn Barths Traum tief bewegt habe und dass er ihm deshalb fast einen Brief geschrieben hätte. Er erwähnt, dass Karl Barth jeden Morgen, bevor er sich an seine theologische Arbeit setzte, Musik von Mozart anhörte. Diese Musik war für Barth "ein Gleichnis des Himmels". In Mozarts Klangwelt offenbarte sich Barth ein Kind, ja ein "göttliches Kind". Merton greift dieses Bild auf und ruft dem großen Schweizer Theologen zu: "Hab keine Angst, Karl Barth! … Christus (bleibt) ein Kind in Dir. Deine Bücher (und auch meine) sind von geringerer Bedeutung als wir glauben. Es gibt aber einen Mozart in uns, der uns retten wird."

Zwischen Thomas Merton und Karl Barth gibt es zahlreiche Gemeinsamkeiten, aber auch beträchtliche Unterschiede. Beide starben am selben Tag, dem 10. Dezember 1968, heute vor genau 50 Jahren. Der 82-jährige Barth ist in seinem Haus in Basel sanft entschlafen. Merton dagegen kam im Alter von 53 Jahren durch einen Unfall mit einem schadhaften Ventilator ums Leben, kurz nachdem er auf einer Tagung von Ordensleuten in Bangkok einen Vortrag gehalten hatte. Ich vermute, dass Merton und Barth am 10. Dezember 1968 gemeinsam dem himmlischen Mozart begegnet sind.

Service

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Urheber/Urheberin: Wolfgang Amadeus MOZART
Komponist/Komponistin: Wolfgang Amadeus Mozart
Titel: Konzert für Violine und Orchester Nr.3 in G-Dur KV 216
* Allegro (Kadenz Sam Franko) - 1.Satz (00:09:08)
Violinkonzert
Solist/Solistin: Itzhak Perlman /Violine
Orchester: Wiener Philharmoniker /< gegründet 1842 >
Leitung: James Levine
Ausführender/Ausführende: James LEVINE/23.6.1943 Cincinnati, Ohio
Länge: 09:08 min
Label: DG 4100202

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