Hübsche gegen bessere Melodien getauscht

BBC Symphony Orchestra, Dirigent: Martyn Brabbins; Marcus Farnsworth, Bariton. Arnold Bax: November Woods, Symphonische Dichtung Cheryl Frances-Hoad: Last Man Standing (Teilwiedergabe) Ralph Vaughan Williams: Symphonie Nr. 4 f-Moll (aufgenommen am 30. November in der Barbican Hall, London). Präsentation: Peter Kislinger.

Schlicht verführerisch: "November Woods" von Arnold Bax

Die 1917 entstandene Tondichtung "November Woods" bezieht nicht auf meteorologische Phänomene der Britischen Inseln, sondern auf das stürmische Ende der Affäre des Komponisten mit der Pianistin Harriet Cohen. Für den englischen Dirigenten John Wilson, einen Kenner der Musik von Arnold Bax, ist dessen Tondichtung "November Woods" wegen ihres "dunklen Untertons" schlichtweg verführerisch, virtuos orchestriert - einfach blendend gemacht. Aber von selbst spiele sich das Werk nicht. Jedes Mal, wenn man diesen Bax probt, müsse man an den Einzelteilen arbeiten, sie auf Hochglanz bringen, bis man eine brauchbare Aufführung zuwege bringe. Gustav Holst hat gesagt, er habe nach der Instrumentation immer seinen Radiergummi zur Hand genommen und alles entfernt, was nicht nötig war, und "so gibt es auch in der Musik von Bax keine einzige Verwendung eines Instruments, die unnötig ist. Er verdoppelt nur, was unbedingt nötig ist."


Die größte Symphonie seit Beethoven

Arnold Bax ist der Widmungsträger der überwiegend schroff, auch wütend dissonant daherkommenden Symphonie Nr. 4 von Ralph Vaughan Williams. Nach der Uraufführung 1935 meinte "VW", er sei sich "nicht sicher", ob er die Musik möge, "aber es ist das, was ich damals wollte." Die "hübschen" Melodien habe er gegen "bessere" ausgetauscht. Die schroffe Tonsprache wollten zeitgenössische Rezensenten auf Erfahrungen des Komponisten im "Medical Corps" der britischen Armee im "Great War" (1914-1918) zurückführen, er selbst wollte die Symphonie als "absolute Musik" verstanden wissen. Formal orientierte sich der über 60-Jährige in diesem viersätzigen Werk an Beethoven. So habe er etwa, so Vaughan Williams augenzwinkernd, den Übergang vom 3. zum 4. Satz aus Beethovens 5. Symphonie "gestiebitzt". Für den Komponistenkollegen William Walton war die 4. Vaughan Williams die "größte Symphonie" seit Beethoven.

Den 1. Weltkrieg thematisiert die 1980 geborene Cheryl Frances-Hoad in "Last Man Standing". Die Texte ihres Liederzyklus wurden u. a. von Frontbriefen "einfacher britischer Soldaten" inspiriert.

Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Komponist/Komponistin: Sir Arnold Bax/1883 - 1953
Titel: November woods - Symphonische Dichtung für Orchester
Orchester: BBC Symphony Orchestra
Leitung: Martyn Brabbins
Länge: 21:00 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Ralph Vaughan Williams/1872 - 1958
Titel: Symphonie Nr.4 in f-moll
* Allegro - 1.Satz
* Andante moderato - 2.Satz
* Scherzo, allegro molto - 3.Satz
* (attaca) Finale con epilogo fugata, allegro molto - 4.Satz
Orchester: BBC Symphony Orchestra
Leitung: Martyn Brabbins
Länge: 35:30 min
Label: EBU

Komponist/Komponistin: Cheryl Frances-Hoad (*1980)
Titel: Tamsin Collinson (*1970)
Titel: Last Man Standing (Teilwiedergabe der Uraufführung - Auftragskomposition der BBC)
Solist/Solistin: Marcus Farnsworth / Bariton
Orchester: BBC Symphony Orchestra
Leitung: Martyn Brabbins
Länge: 20:30 min
Label: EBU

weiteren Inhalt einblenden