Kurt Remele über Thomas Merton und Karl Barth

"Der Mönch, der Theologe und das göttliche Kind". Zum 50. Todestag von Thomas Merton und Karl Barth möchte Kurt Remele, der Ethik und christliche Gesellschaftslehre an der Karl-Franzens-Universität Graz lehrt, zwei "Giganten" des christlichen Glaubens im 20. Jahrhundert nahebringen und die beiden in Beziehung zueinander setzen. - Gestaltung: Alexandra Mantler

In einer am Nordostrand des Ruhrgebiets gelegenen Garnisonkirche habe ich Anfang der 1990er Jahren selbst erfahren, wie rasch eine bestimmte Vorstellung von Gott hervorgerufen werden kann. Reinhard Marx, der Direktor einer katholischen Akademie in Dortmund, an der ich damals arbeitete, bat mich, ihn als Ehrengast bei einem Festgottesdienst der deutschen Bundeswehr zu vertreten. Als Schlussgesang der heiligen Messe auf dem Kasernengelände wurde "Großer Gott, wir loben Dich" angestimmt. Die gesamte Gottesdienstgemeinde, Pfarrer, gesellschaftliche Repräsentanten, Offiziere und einfache Soldaten sangen aus vollen Kehlen mit. In mir entstand ein Bild von einem Gott als starker, unbesiegbarer Vier-Sterne-General, als Heerführer der Himmelsheere, aber auch der irdischen Heere. Mein eigener Gesang wurde zunehmend leiser und verstummte schließlich ganz.

Das Lied "Großer Gott, wir loben Dich" war seit seiner Entstehung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts höchst anfällig für nationalistische Vereinnahmung. Bis heute wird es in Pfarr- und Garnisonskirchen gesungen, häufig und gerne, jedoch völlig unbedarft und unhinterfragt.

Der Schweizer Theologe Karl Barth wandte sich mit Vehemenz gegen ein solch martialisches Gottesbild, aber auch gegen alle anderen vertrauten Gotteskonstruktionen und gegen die Leichtigkeit, mit denen das Wort "Gott" vielen über die Lippen kommt. Vor allem in der zweiten Fassung seiner Schrift über den Römerbrief aus dem Jahre 1922 betonte Barth die Unbekanntheit und Unverfügbarkeit Gottes, seine Andersheit und Transzendenz. Leidenschaftlich darauf zu bestehen, dass Gott nicht Objekt menschlicher Wissenschaft und Gefühle sei, "kein Ding unter Dingen", sondern "das oder der ganz Andere", ist Karl Barths großes Verdienst und Vermächtnis.

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Sendereihe

Gestaltung

Playlist

Urheber/Urheberin: Wolfgang Amadeus MOZART/27.1.1756 Salzburg - 5.12.1791 Wien
Komponist/Komponistin: Wolfgang Amadeus Mozart/1756 - 1791
Titel: Konzert für Violine und Orchester Nr.3 in G-Dur KV 216
* Rondeau. Allegro (Kadenz Itzhak Perlman) - 3.Satz (00:06:17)
Violinkonzert
Solist/Solistin: Itzhak Perlman /Violine
Orchester: Wiener Philharmoniker /< gegründet 1842 >
Leitung: James Levine
Ausführender/Ausführende: James LEVINE/23.6.1943 Cincinnati, Ohio
Länge: 06:17 min
Label: DG 4100202

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