Per Skalpell zum Glück?

Schönheitsoperationen auf dem Prüfstand

Kennen Sie jemanden, der mit seinem Äußeren hundertprozentig zufrieden ist? Wahrscheinlich nicht. So gut wie jedem Menschen gefällt irgendetwas an sich selbst nicht. Die meisten fühlen sich zu dick, einige zu dünn, manche können ihre Nase und Ohren nicht ausstehen, geschweige denn die schmalen Lippen und den kleinen Busen. Und dann muss man sich auch noch mit Falten, Schlupflidern, Besenreisern und Co. herumschlagen. Muss man? Nicht unbedingt.

Immer mehr legen sich unters Messer

So sehen es zumindest jene Menschen, die sich im Zuge einer Operation bereits "verschönern" haben lassen. Und das sind ziemlich viele, nämlich weltweit jährlich rund 25 Millionen. In Österreich legen sich schätzungsweise 40.000 Personen pro Jahr freiwillig unters Messer - 90 Prozent sind Frauen. Die Zahl der Männer nimmt aber zu. Die meisten Schönheitsoperationen werden übrigens in den USA, in Brasilien und Südostasien durchgeführt.

Glatter, größer, dünner

Die am häufigsten durchgeführten Eingriffe sind hierzulande: Lidkorrekturen, Brustvergrößerung (sowie Verkleinerung und Straffung), Fettabsaugung, Facelift, Nasenkorrekturen, Bauchstraffung und Faltenbehandlung mit Botox.
Viele Schönheitsoperationen werden tagesklinisch durchgeführt, sprich, man darf noch am selben Tag nach Hause. Insbesondere bei Brustvergrößerungen muss man einige Tag lang mit relativ starken Schmerzen rechnen. Die meisten Eingriffe werden von den Krankenkassen nicht bezahlt und kosten ziemlich viel. Oberlidkorrektur: 2.400 Euro; Brustvergrößerung: 6.000 Euro; Nasenkorrektur: 4.000 Euro. Da ist die Faltenbehandlung um 250 Euro noch vergleichsweise günstig.

Warum wir anders aussehen wollen

Hier spielen natürlich Schönheitsindustrie und Medien die größte Rolle. Als schön gelten ebenmäßige Gesichtszüge, faltenfreie Haut, eine schlanke Figur und ein großer Busen. Viele Frauen erhoffen sich, durch die Annäherung ihres Aussehens an dieses Ideal erfolgreicher im Job, attraktiver für Männer und generell beliebter zu sein. Das Groteske allerdings ist, dass die Bilder, die in den Medien zu sehen sind, x-Mal bearbeitet wurden und mit der Realität nichts mehr zu tun haben, sprich die vermeintlich perfekten Menschen existieren eigentlich gar nicht.
Studien zufolge sind die meisten Personen mit den an ihnen vorgenommenen Veränderungen zufrieden und fühlen sich nach dem Eingriff wesentlich wohler in ihrer Haut als zuvor. Allerdings, so gibt unser Sendungsgast, die Psychologin Alexandra Münch-Beurle, zu bedenken, ist nicht immer ganz klar, von wem die entsprechenden Studien finanziert wurden.

Neues Bundesgesetz über die Durchführung von ästhetischen Behandlungen und Operationen

Dieses gilt seit dem 1. Jänner 2013. Die wichtigsten Punkte sind:

1.) Nur ausgebildete plastische ChirurgInnen bzw. von der Ärztekammer aufgelistete ÄrztInnen dürfen Schönheitsoperationen durchführen.
2.) Zwischen ärztlichem Aufklärungsgespräch und Einwilligung zur OP gibt es eine zweiwöchige Wartefrist.
3.) Es ist eine psychologische Beratung vorgesehen, wenn der Arzt eine psychische Störung als Grund für den Eingriff vermutet.
4.) Ein schriftlicher Kostenplan.
5.) Ein Operationspass.

Gut vorbereiten

Das Wiener Programm für Frauengesundheit hat eine umfangreiche Broschüre zum Thema Schönheitsoperationen herausgegeben. Darin finden Interessierte Informationen zur Auswahl des richtigen Arztes, zu ästhetischen Eingriffen im Ausland, zum Thema Schadensersatzanspruch und eine Liste von wichtigen Anlaufstellen. Nicht zuletzt wird darauf hingewiesen, dass man vor dem Eingriff ein wenig in sich gehen sollte. Denn: Durch eine Schönheitsoperation ist zwar ein scheinbarer Makel entfernt, der Rest des Lebens verändert sich dadurch aber nicht zwangsläufig. Studien haben z.B. gezeigt, dass psychische Probleme, wie etwa Depressionen oder Ängste, nach einer Operation weiterhin bestehen.

Moderation: Univ.-Prof.in Dr.in Karin Gutiérrez-Lobos
Sendungsvorbereitung: Mag.a Nora Kirchschlager
Redaktion: Dr. Christoph Leprich

Reden auch Sie mit! Wir sind gespannt auf Ihre Fragen und Anregungen. Unsere Nummer: 0800/22 69 79, kostenlos aus ganz Österreich.

Haben Sie sich schon einmal einer Schönheitsoperation unterzogen?
Können Sie sich vorstellen, eine solche bei sich durchführen zu lassen?
Was stört Sie an Ihrem Äußeren?
Gelingt es Ihnen, mit den Zeichen des Alterns gelassen umzugehen?
Warum glauben Sie, ist der Trend zu Schönheitsoperationen ungebrochen?

Service

Prim. Univ.-Doz. Dr. Rupert Koller
Wilhelminenspital
Vorstand der Abteilung für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie mit Ambulanz
Montleartstr. 37
1160 Wien
+43/1/491 50/4501
E-Mail
Homepage

OA Dr.in Heike Klepetko, PhD
Fachärztin für Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
Radetzky Villa - Zentrum für plastische und ästhetische Chirurgie
Cobenzlgasse 46
1190 Wien
+43 (0) 1 328 12 00
E-Mail
Homepage

Mag.a Alexandra Münch-Beurle
Klinische- und Gesundheitspsychologin
Wiener Büro für Frauengesundheit und Gesundheitsziele, MA 24
Brigittenauer Lände 50-54, Stiege 2, 5. Stock
1200 Wien
01/4000/84200
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