Mount Everest

AFP/PRAKASH MATHEMA

Radiokolleg - Der Körper in Extremsituationen

Tiefe, Höhe, Kälte und Hitze (1). Gestaltung: Madeleine Amberger

Alle Jahre wieder gleicht das Mount Everest-Basislager auf 5.500 Metern Seehöhe einer Zeltstadt. Hunderte Bergsteiger warten auf günstige Bedingungen für den Gipfelsturm des höchsten Berges der Welt. Doch für einige ist hier Endstation, denn der Körper spielt nicht mehr mit: Sie leiden an Höhenkrankheit.

Das Spektrum reicht von harmlosen Kopfschmerzen zu lebensgefährlichen Lungen- und Hirnödem. Schuld daran ist der niedrigere Luftdruck, der zu einer geringeren Konzentration von Sauerstoffmolekülen in der Luft führt. Sauerstoffmangel führt beispielsweise zu Schlafstörungen, Muskelschwund und beeinträchtigt auch den Wasserhaushalt.

All diese physiologischen Erscheinungen sind bei Bergsteigern temporär, stellen jedoch bei vielen Menschen chronische Krankheitsbilder dar. Unter Schlafapnoe leiden etwa Patienten mit Übergewicht oder chronischer Herzinsuffizienz. Daher statteten Höhenmediziner Bergsteiger mit Sensoren aus, um in Echtzeit, auf Schritt und Tritt, physiologische Veränderungen zu messen.

Auch die Tauchmedizin lieferte schon wichtige Erkenntnisse. Tauchen ohne Hilfesmittel - das Apnoetauchen - findet nur bis in eine Tiefe von 40 Metern statt. Der Extrem-Rekord liegt allerdings bei mehr als 200 Metern. In solche Regionen wagen sich üblicherweise nur Taucher mit Sauerstoffausrüstung vor (technisches Tauchen).

Je tiefer man taucht, desto höher der Wasserdruck, dem der Körper ausgesetzt wird. Höherer Druck verringert das Lungenvolumen sowie die Ausdehnung von Gasen wie Luft. Viele Unfälle passieren gerade beim Auftauchen. Die mögliche Folge: Dekompressionserkrankungen. Diese reichen von Lungenfunktionsstörungen bis zu Schlaganfällen. Dank der Tauchmedizin weiß man, dass bei Patienten Flüssigkeit aus der Lunge austreten, ins Gehirn wandern und zu einem Schlaganfall führen kann.

Nicht nur extreme Druckbedingungen, sondern auch extreme Temperaturen werden dem Organismus gefährlich. Die normale Körpertemperatur des Menschen beträgt zwischen 35.8 und 37.2 Grad Celsius. Ab 42 Grad bzw. unter 31 Grad herrscht Lebensgefahr. Gezielte Hitze- und Kälteanwendung - Hyperthermie bzw. Kryotherapie - haben dennoch ihren fixen Platz in der Medizin. Mit Hitze und extremer Kälte werden beispielsweise Krebstumore bekämpft. Durch wenige Minuten in Kältekammern mit Temperaturen zwischen minus 70 und minus 110 Grad soll Schmerz- und Rheumapatienten geholfen werden.

Sendereihe