Karl Kraus am Vorlesetisch

SAMMLUNG KARL KRAUS/ANITA KÖSSLER

Serie "Unbekanntes über Bekannte" (1)

Das Kraus-Projekt.
Von Ulrike Schmitzer

"Wien bleibt Wien, das ist die fürchterlichste aller Drohungen". Dieser Satz wird gerne Karl Kraus zugeschrieben. Tatsächlich stammt er von Alfred Polgar und lautete etwas anders: "Ich muss über die Stadt ein vernichtendes Urteil abgeben: Wien bleibt Wien". Nachzulesen ist das im "Karl Kraus Online"-Archiv der Wienbibliothek, wo tausende Manuskripte, Briefe und Dokumente des österreichischen Autors lagern und seit Jahren neu organisiert und digitalisiert werden.

"Karl Kraus Online" zeigt Kraus als Vorleser, der ab 1910 rund 700 Mal in Europa auftrat und ganze Konzertsäle füllte. Wie die intellektuellen Gefechte, die häufig vor Gericht landeten, sich in der Zeitschrift "Die Fackel" spiegeln. "Eigentlich eine Soap-Opera", sagt die Zeithistorikerin Katharina Prager, die das Kraus-Projekt an der Wienbibliothek leitet. Durch die Digitalisierung sollen jetzt die verfeindeten Netzwerke sichtbar und die Gerichtsprozesse dokumentiert werden. - Ebenso unbekannt ist jener Karl Kraus, der 1065 Liebesbriefe an die böhmische Baronin Sidonie Nádherná von Borutín verfasste. Nachzulesen u.a. in der Ausstellung "Zeit versus Zeitgeist: Karl Kraus in der Ersten Republik", die noch bis zum 29. März 2019 in der Wienbibliothek im Rathaus zu sehen ist.

Service

LITERATUR:

Katharina Prager (Hg.): Geist versus Zeitgeist: Karl Kraus in der Ersten Republik.
Metroverlag 2018

Brigitte Stocker: Das Wien des Karl Kraus. Edition A.B.Fischer 2018

Sendereihe

Gestaltung