Margit Hauft über Frauen in Chefetagen

"Die Kraft ist weiblich". Margit Hauft, ehemalige Vorsitzende der katholischen Frauenbewegung, über das Fehlen von Frauen in höheren Positionen, speziell in der katholischen Kirche. - Gestaltung: Brigitte Krautgartner

Kraft ist laut Lexikon die Fähigkeit, etwas Schweres zu tun, etwas zu bewirken. Aber ist die Kraft weiblich? Grammatikalisch gesehen sicher, doch der altmodische Ausdruck das "schwache Geschlecht" ist durchaus noch gebräuchlich, und das, obwohl Frauen tagtäglich weltweit Großes leisten.

Wie wäre es um unsere Welt bestellt ohne die Kraft der Frauen für Familie, Beziehung, Beruf? Gesellschaft und Kirche leben nicht zuletzt durch das Engagement von Frauen, die ihre Talente und Fähigkeiten, ihre Zeit und Energie einsetzen.

Doch anscheinend kann in weiten Bereichen darauf auch nahezu verzichtet werden. Aus einer Pressemeldung Anfang der Woche war zu erfahren, dass der Frauenanteil in den Vorständen heimischer, börsennotierter Unternehmen von schon bisher mickrigen 6 Prozent auf nunmehr 4,8 zurückgegangen ist, von 186 Vorständen sind nur mehr 9 Frauen, zwei weniger als noch ein Jahr davor. In den Aufsichtsräten ist die Situation gegenläufig, hier steigt die Frauenanzahl. Wäre die dort bestehende gesetzliche Quotenregelung nicht auch für den Vorstandsbereich hilfreich? Oder ist "Mann" dort weiterhin lieber (fast) unter sich, allen Lippenbekenntnissen zum Trotz?

Fachleute fragen in ihren Kommentaren, wie lange sich diese österreichischen Unternehmen ihr männerbündisch anmutendes Verhalten noch leisten können, in den Vorständen auf die Kraft und Kompetenz von Frauen nahezu gänzlich zu verzichten.

Vielleicht sollten die Kommentatoren sich bei der katholischen Kirche erkundigen, die es seit Jahrhunderten schafft, ihre "Chefetage", das Weiheamt gänzlich frauenfrei zu halten!

Freilich, Frauen dürfen Theologie studieren, ihr Dienst als Ministrantinnen ist längst zur Gewohnheit geworden, sie haben hohe Positionen in der Verwaltung und es ist ihnen selbstverständlich weiterhin gestattet, durch ihren - hauptsächlich ehrenamtlichen - Einsatz auf allen Ebenen, den kirchlichen Alltag erst zu ermöglichen. Doch die leidige Amtsfrage ist weit entfernt von einer Lösung.

Und dabei wünsche ich mir gerade von der Kirche, den Kirchen, dass sie an der Sache der Frauen dranbleiben und rufe besonders den Verantwortlichen in der katholischen Kirche daher zu: "Liebe Kirchenmänner, ihr habt traditionell in uns Frauen stärkste Verbündete, wenn es um das Weitergeben der Frohen Botschaft geht, habt endlich die im Blick, die sich laut oder leise aus dieser Aufgabe verabschieden, weil sie sich letztlich übergangen fühlen, zurückgereiht, weil sie eben NUR Frauen sind. Fürchtet euch nicht, wir wollen euch nichts streitig machen, nicht euren ganz persönlichen Platz in der Kirche, nicht eure von Gott geschenkte Berufung.

Was wir wollen, ist ganz einfach das, was ihr, denen die Kirche wichtig ist, auch umsetzt: Wir wollen an einer Kirche mitbauen, die bei den Menschen ist, wo die sich auch immer befinden, einer Kirche, die nicht zum Selbstzweck verkommt, sondern sich als Werkzeug weiß, das einzig und allein dazu da ist, auf Gott hinzuweisen, und zwar dadurch, dass sie den Menschen in allen Lebenssituationen dient. Ja, ob ihr es glaubt oder nicht, auch wir Frauen denken ans Dienen, was heißt da denken, wir tun es auch dauernd. Nicht Machtgier ist es, die uns das anstreben lässt, was wir MIT euch und nicht STATT euch tun wollen; unseren ganz persönlichen Platz in der Kirche finden, die uns geschenkte Berufung leben dürfen und uns nach unseren Talenten auf allen Ebenen unserer Kirche engagieren. Ist das etwa zum Fürchten?"

Natürlich ist nicht nur kirchlich sondern in allen Bereichen unserer Gesellschaft noch viel zu tun, was ein gerechtes Miteinander der Geschlechter betrifft. Da ist eine Facette weiblicher Kraft besonders hilfreich, der Blick auf Gelungenes als Sprungbrett für neue Herausforderungen.

"Wir können stolz sein, denn niemand hat im vergangenen Jahrhundert so viel gelernt und erreicht, wie wir Frauen!", las ich in der Antrittsrede einer süddeutschen Kleinstadtbürgermeisterin. Ist dieser Frau politischer Zweckoptimismus zu unterstellen, oder will uns ihre Aussage nur einmal mehr darauf hinweisen, dass Probleme zwar nicht wegzuleugnen sind, es aber auf unseren Umgang mit ihnen ankommt? Zukunftsträchtige Schritte werden davon abhängen, ob ein waches Problembewusstsein uns antreibt, oder ob wir in eine Problemtrance verfallen, die den Blick auf Gelungenes zusehends verwehrt!

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