Klaus Eckel

JOHANNES ZINNER

Im Scheitern, nicht im Optimieren, wohnt der Humor

"Ich werde das Gefühl nicht los" - Das neue Solo von Klaus Eckel. Gestaltung: Silvia Lahner

Klaus Eckel hat sich schon in vorangegangenen Programmen mit der Frage beschäftigt, wie Theorie und Praxis politisch korrekter Haltungen in einem Lebensentwurf unterzubringen sind. In Würde an den eigenen Ansprüchen zu scheitern, gehörte dabei zu den gängigeren Versagensmodellen. In seinem neuen Solo "Ich werde das Gefühl nicht los" geht der Kabarettist einen Schritt weiter und sucht nach Lösungen.
"Es gibt kein richtiges Leben im falschen" - an diesen Satz aus Adornos Minima Moralia wird man im neuen Solo von Klaus Eckel mehrfach erinnert. Sehr klug ineinander verwobene Assoziationsketten machen deutlich, welche Herausforderungen eine komplexe Gesellschaft an das Individuum und dessen moralische Möglichkeiten stellt. Auf Alltagstauglichkeit geprüfte Themen liefern die Beweise dafür: Wie sehr erschrecken uns Geschmack und Ideen, die unser Leben vor 10, 20 Jahren bestimmt haben? Ist Dopamin immer stärker als unser Verstand? Wie rasch kippt die Einfühlungskraft, die Empathie, wenn man einen Menschen zu gut kennt? Wenn die digitale Welt beliebige Bewertungen als neues Credo feiert, wird Vertrauen dann zur Mutprobe?
Klaus Eckel ließ die hochfrequente und zielgenaue Erzeugung von Pointen schon seit vielen Jahren zu seinem Markenzeichen heranwachsen. Mit dem neuen Programm hat er hinsichtlich der inhaltlichen Dichte, des Unterhaltungswertes und des vorgegebenen Tempos tatsächlich neue Maßstäbe gesetzt. Wer so schnell und treffsicher durch die Themenvielfalt navigiert, unterfordert sein Publikum in keinem Augenblick. Bei Eckel gehen intellektuelle Stimulation und hoher Unterhaltungswert eine überzeugende Fusion ein, jede Pointe transportiert eine Botschaft. Auch und vor allem, wenn es um das Scheitern geht.
Denn, so sagt der Kabarettist: im Scheitern, nicht im Optimieren, wohnt der Humor.

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