Robert Misik

ORF/URSULA HUMMEL-BERGER

Positionen der Sprache

Robert Misik: Herrschaft der Niedertracht

Angst, Neid, Unsicherheit: Gewisse Empfindungen können Nebenwirkungen hervorrufen - und bestimmte Regierungsformen begünstigen. Robert Misik, prononciert linker Sachbuchautor, hat soeben im Picus Verlag das Buch "Herrschaft der Niedertracht" veröffentlicht. Darin kommentiert er u.a. den Rechtsruck in Europa, unterzieht aber auch die Regierung hierzulande scharfer Kritik. Niedertracht, so Misik, sei eine Gesinnung, die das gesamte Klima beeinflussen kann. Politik mit mieser Gesinnung vergiftet das Klima, liest man im Band "Herrschaft der Niedertracht" im Kapitel "Klimakatastrophe". Autor Robert Misik schreibt darin auch, dass die jetzige Regierung im Grunde erst nach einer Art Staatsstreich, nämlich durch den Sturz eines Ministers, an die Macht gekommen sei; weiters stellt Misik den Boulevardjournalismus an den Pranger, der Fake News verbreite und der Regierung damit willfährig zur Hand gehe. Am Ende der Ausführungen steht jedoch Überraschendes: ein fester Glaube an die Ein- statt an die Niedertracht.-
Gestaltung: Christa Eder

Der Augustin in der Krise

Der "Augustin" steckt in einer finanziellen Krise. 1995 gegründet, hatte die Wiener Straßenzeitung früher eine Auflage von 60.000 Stück. Aktuell werden maximal 18.000 Exemplare pro Ausgabe verkauft. Über Gründe kann spekuliert werden. Einer ist wohl die zunehmend soziale Kälte in der Stadt, ist Augustin-Sozialarbeiter Andreas Hennefeld überzeugt. Damit ist beispielsweise die Wiener Polizei gemeint, die Augustinverkäufer gerne ins Visier nimmt und "Bettelei" vorwirft. Der Tatbestand ist bereits gegeben, wenn die Verkäufer fallweise drei Euro anstatt der zwei Euro fünfzig für einen Augustin annehmen. Als Betteln gilt kurioserweise auch, wenn der "Augustin" mit dem Begleitwort "Bitte" angeboten wird. Dabei wollen Augustinverkäuferinnen und Augustinverkäufer lediglich höflich sein und wehren sich ohnedies vehement dagegen, als Bettler bezeichnet zu werden. Immerhin erbringen sie für ihr Geld eine Leistung. Der "Augustin" bietet für viele Menschen die einzige Möglichkeit einer sinnvollen Arbeit nachzugehen und sich damit etwa von einer Alkoholsucht oder Obdachlosigkeit zu schützen. Damit es den Augustin weiterhin gibt, wurde Anfang März zu einer "Augustin Supporters Konferenz" geladen, um Ideen zu entwickeln, wie die Verkaufszahlen der Straßenzeitung wieder erhöht werden können. Das Ergebnis sind Kampagnen im öffentlichen Raum, wie etwa bei der Donnerstagdemo, oder eine jährliche Benefizveranstaltung mit Konzert. Wer persönlich helfen möchte, sollte übrigens nicht nur einen Augustin kaufen, sondern auch tatsächlich mitnehmen. Das zeugt einerseits von Respekt dem Verkäufer gegenüber und bringt andererseits Lesegenuss. Mit dem Augustin ginge nicht nur ein wertvolles Sozialprojekt verloren, sondern auch eine Qualitätszeitung. Die durchwegs interessanten, gut recherchierten und geschriebenen Beiträge stammen einerseits von Augustinverkäufern und andererseits von anerkannten Berufs-Journalisten.- Gestaltung: Ursula Mürling-Darrer

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