Währrend der Fotoprobe zu  "Die Frau ohne Schatten"

APA/BARBARA GINDL

Live aus der Wiener Staatsoper: "Richard Strauss: Die Frau ohne Schatten"

Mit Stephen Gould (Der Kaiser), Camilla Nylund (Die Kaiserin), Evelyn Herlitzius (Die Amme), Sebastian Holecek (Geisterbote), Wolfgang Koch (Barak), Nina Stemme (Färbersfrau) u.a.
Chor und Orchester der Wiener Staatsoper, Dirigent: Christian Thielemann
(Live-Übertragung der Premiere einer Neuproduktion aus der Wiener Staatsoper in Dolby Digital 5.1 Surround Sound)
Präsentation: Michael Blees

Im Haus am Ring wurden nicht allzu viele die Zeiten überdauernde Meisterwerke zur Uraufführung gebracht. Richard Strauss' und Hugo von Hofmannsthals vierte gemeinsame Oper "Die Frau ohne Schatten" bildet eine der Ausnahmen: Am 10. Oktober 1919 hatte das Werk, das Strauss, stets sein eigenes Schaffen absolut setzend, "als die letzte romantische Oper" ansah, an der Wiener Staatsoper Premiere; spätestens seit Karl Böhms, des zweimaligen Wiener Staatsoperndirektors, Eintreten für die "Frau ohne Schatten" gehört sie als Inbegriff einer Märchenoper mit höchst psychologischer Grundierung - darin ganz speziell ein Kind ihrer Zeit - zum fixen Bestandteil der internationalen Spielpläne.

Schon während der gemeinsamen Arbeit mit Hugo von Hofmannsthal schwärmte der Komponist vom Libretto: "Unglaublich edel, großartig, reif und interessant, mit prachtvollen dramatischen, sittlichen Problemen, herrliche scenische Vorgänge." Tonsprachlich sehr wohl in der Nachfolge eines Richard Wagner (Straussens Klage über den wagnerischen "Musizierpanzer", den auch er nicht recht ablegen könne!), ist die Oper ideell mit ihrem Zauberambiente samt den Prüfungen, die zwei Paaren, Repräsentanten einer "höheren" und einer "niedrigeren" Sphäre, auferlegt sind, von Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" beeinflusst.

Die Definition der "Frau ohne Schatten" als Märchen mit höchst komplexer Musik sanktioniert es auch, dass die Musik nicht jedes Wort des hochkomplexen Textes verständlich durchdringen lässt; sie erlaubt Hugo von Hofmannsthals Libretto, sich in nebelhaften Andeutungen zu verlieren, die den Dichter tatsächlich noch vor der Uraufführung eine literarische "Bedienungsanleitung" für das Stück hat anfertigen lassen …

Hofmannsthal war ein großer Verkomplizierer seiner selbst und seiner Ideen. Migräne und allerlei "Zustände" lagen bei ihm stets in der Luft. Dass just der herzhafte Bajuvare Strauss ("Komponieren, wie die Kuh Milch gibt") dem Wiener künstlerisch verfiel - eigenartiges Vorausecho der Partial-Verwienerung von Richard Strauss, der zum Zeitpunkt der "Frau ohne-Schatten"- Uraufführung ja Wiener Co-Staatsoperndirektor gewesen ist und in der ehemaligen K&K-Hauptstadt einen Wohnsitz etablierte.

Mit der "Frau ohne Schatten" des Autoren Ideal-Paars Hofmannsthal/Strauss kommen wir ganz nah ans Geheimnis der Oper. Bei Giuseppe Verdi taucht ein passender Begriff auf: der der "parola scenica" - ein hingeworfenes Wort, das schon die entsprechenden Assoziationen auslösen wird, ist "opernhafter" als der logische Diskurs. Geht es um silbenpräzise Nachvollziehbarkeit des Textbuchs? Nein, es geht um die Wortsignale in die richtige Richtung, um eine Anhäufung von Aggregatzuständen von Lebensgefühl, und genau davon bringt "Die Frau ohne Schatten" so viel und so vieles, dass beschreibende Worte daran abprallen. Sehn- und Eifersucht, Zurück- und Ausgesetztheit, Anpassungszwang, Selbsterniedrigung aus Liebe, die unglaublichste Energieinjektion nach dem Tun dessen, was davor nie und nimmer möglich schien.

Ein Werk für die Ewigkeit!

Text: Chris Tina Tengel

Service

Diese Sendung wird in Dolby Digital 5.1 Surround Sound übertragen. Die volle Surround-Qualität erleben Sie, wenn Sie Ö1 unter "OE1DD" über einen digitalen Satelliten-Receiver und eine mehrkanalfähige Audioanlage hören.

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