Eine 38000 Jahre alten Flöte aus Geierflügelknochen

APA/DPA/WOLFGANG KUMM

Radiokolleg - Töne aus der Vergangenheit

Forscher rekonstruieren Instrumente, Melodien und Klangräume (3). Gestaltung: Madeleine Amberger

Wer saß vor zehntausenden Jahren in der Geißenklösterle Höhle und spielte Flöte? Diese Frage können Archäologen - noch - nicht beantworten. Doch wer immer damals in den Höhlen des Schwäbischen Alb lebte, machte Musik. Archäologen fanden eine 43.000 Jahre alte Flöte aus Mammutelfenbein. Ein mindestens ebenso spektakulärer Fund aus derselben Region ist "nur" 35.000 Jahre alt: Die Flöte aus dem Knochen eines Gänsegeiers ist 22 Zentimeter lang, hat fünf Luftlöcher und statt eines Mundstückes eine V-förmige Einkerbung.

Doch wie klangen die Töne und Melodien, die Menschen damals spielten? Das wird sich wohl nie rekonstruieren lassen. Denn dazu braucht es zumindest Ansätze einer Notation sowie Überlegungen zu Musiktheorie. Diese finden sich erst in der griechischen Antike. Gedanken zu etwa Harmonielehre sind von den griechischen Philosophen Platon und Aristoteles überliefert. Eines der ältesten erhaltenen Musikstücke ist ein rund 2000 Jahre altes Lied. Der Text und die dazugehörigen Noten sind in einem Grabstein eingemeißelt. Solche Fragmente sowie der Nachbau von antiken Instrumenten wie dem Aulos, einer Flöte mit zwei Zylindern, inspirierten Forscher, alte griechische Musik zu rekonstruieren und aufzuführen.

Die Analyse von Tempeln legt den Schluss nahe, dass Menschen schon sehr früh die akustischen Eigenschafte von Räumen berücksichtigten bzw. diese zu nutzen wussten. Die Gänge und Schächte in der 3000 Jahre alten peruanischen Tempelanlage von Chavín de Huántar haben eine überraschene akustische Eigenschaft: Sie leiten die Frequenzen von Muschelhörnern hinaus auf den Zeremonienplatz. In Chichén Itzá auf der mexikanischen Halbinsel Yukatán reflektiert die Pyramide von Kukulkan ein Echo, das dem Ruf eines, von den Maya verehrten Vogels verblüffend ähnlich klingt. In französischen und US-amerikanischen Höhlen des Südwestens klingt das Echo in jenen Räumen am lautesten nach, wo man die meisten Malereien gefunden hat. Forscher stellen zunehmend die Frage: Stecken hinter all dem Zufälle oder Methode? Denn so viel weiß man: Beim Bau früher christlicher Kirchen wurden akustische Prinzipien mitberücksichtigt.

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