Tonspuren

"Uraltes Hafengeschwätz".
Walter Benjamins Passagen durch Marseille (zum 80. TT von Walter Benjamin am 26.09.2020).
Feature von Johanna Tirnthal

1940, als die Deutschen Frankreich besetzen, treffen Geflüchtete aus ganz Europa in Marseille zusammen. Die deutsche Schriftstellerin Anna Seghers wartet hier auf ihre Ausreise nach Mexiko und schreibt inspiriert davon den Roman Transit, der Philosoph Walter Benjamin versucht von hier auf dem Landweg nach Spanien zu gelangen und nimmt sich im Grenzort Portbou das Leben. Von seinen letzten Tagen in der französischen Hafenstadt sind zahlreiche Anekdoten überliefert, er traf hier viele alte Bekannte: Hannah Arendt, Siegfried Kracauer und den österreichischen Schriftsteller Soma Morgenstern.

Benjamin ist 1940 nicht zum ersten Mal in Marseille - auch als junger Mann hat er die französische Hafenstadt besucht. Das war 1926 und 1928, Europa wusste noch nichts von den Schrecken des Zweiten Weltkriegs. Benjamin aß Haschisch und flanierte durch die engen Gassen und über die Boulevards, beobachtete das Treiben in den Hafenkneipen. Seine Eindrücke hielt er in einem Städtebild und in Haschisch in Marseille fest. Das französische Musikerpaar "Catherine Vincent" beschäftigt sich heute mit diesen Texten, arbeitet an einem Benjamin-Album und wandelt mit einer Schulklasse auf Benjamins Spuren durch die Banlieues von Marseille. Der Videokünstler Renaud Vercey erklärt Benjamins Wege durch das Stadtzentrum. Und Erdmut Wizisla, der Leiter des Berliner Walter Benjamin Archivs, erzählt vom großen Rätsel der Benjamin-Forschung: Dem Koffer mit Texten, den Benjamin in Marseille bei sich hatte und der nach seinem Suizid verloren ging.

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